Kleinigkeiten, die mich tierisch nerven (1)

Heute möchte ich eine neue Kategorie auf Blogade einführen. „Kleinigkeiten, die mich tierisch nerven“ wird es immer geben, wenn mich irgendetwas stört, bei dem die meisten anderen Menschen sagen würde, dass es sie gar nicht interessiert.

Im Laufe der Jahre habe ich nämlich bemerkt, dass Dinge, die mich stören, anderen am Pops vorbei gehen, während sie sich über Sachen tierisch aufregen, bei denen ich jedes Mal denke: „Who cares?“ Aber mal sehen, vielleicht gibt es hier auch den ein oder anderen Leser, der meine Gedankengänge nachvollziehen kann. Beim ersten Thema bin ich mir eigentlich recht sicher, dass mich der Großteil der Bevölkerung hierzulande verstehen kann. Dennoch gehört es wohl in die Rubrik, denn nur weil sich viele darüber aufregen, muss es noch lange keine große Sache sein.

Ursprünglich hatte ich heute vor, eine andere, ebenfalls neue Rubrik (keine Kunst, das Blog ist ja auch noch ganz neu) einzuführen: Hasstiraden. Allerdings weiß ich aus der Praxis, dass diese Form von schriftlichen Beiträgen ein ganzes Stück Recherchetätigkeit voraussetzt, wenn man es halbwegs vernünftig angehen möchte. Diese Zeit habe ich heute leider nicht. Allerdings sind die Ideen schon in meinem Kopf.

Nun zum eigentlichen Thema des Tages: Der Verkehr auf den deutschen Autobahnen. Ich meine, dass muss doch anderen Leuten auch auffallen, dass es da drunter und drüber geht? In Deutschland ereifert man sich ja gerne über die Verkehrssituationen in anderen (meist südeuropäischen) Ländern. Und dies hat auch zum Großteil seine Berechtigung. In einer italienischen Großstadt musste ich im letzten Jahr einfach mal raus fahren, weil ich nicht mehr weiterfahren konnte aus purer Angst, ich würde einen von diesen bekloppten Mofafahrern kaputt machen ohne es zu wollen. Sensationell wie die Leute da rumbrettern. In Deutschland dagegen sind die Großstädte nicht das Problem. Auf der Autobahn ist es auch nicht allzu chaotisch, aber es fällt immer wieder auf, wie die Leute ihren Verstand abschalten, sobald sie mal länger als 15 Minuten am Stück am Steuer sitzen müssen. Ehrlicher Weise muss ich eingestehen, dass ich mich, wenn ich erstmal auf der Autobahn bin, für den Einzigen halte, der überhaupt halbwegs fahren kann bzw. immer richtig fährt. Natürlich stimmt das nicht. Dennoch beschimpfe ich wüst anderer Fahrer und Fahrerinnen. Im Auto merkt das ja keiner. Daher auch der große Spaß.

Je häufiger man auf der Autobahn unterwegs ist, desto deutlicher kristallisieren sich „Standard“-Fehler heraus und wenn man gerade nicht über viele andere Dinge nachdenkt, überlegt man automatisch, warum das wohl so ist. Am geilsten sind natürlich die Mittelspurschleicher. Egal wie viele Spuren es gibt, wie schnell der Durchschnittsverkehr fließt oder wie viel Verkehr auf der rechten Spur gerade fährt: Diese Leute fahren IMMER auf der zweiten Spur von links. Ganz selten trauen sie sich mal auf die „richtige“ Überholspur. Die tuckern dann da mit ihren 100 bis 130 km/h dahin und scheinen zu glauben, sie sind die einzigen Menschen auf der Welt, zumindest aber auf der aktuell befahrenen Autobahn. Wenn die rechte Spur frei ist, fahren sie nicht auf der. Nee, warum auch? Gibt es da etwa ne Regel für? Ach ja, es gibt ja zumindest in Deutschland etwas, das nennt sich RECHTSFAHRGEBOT. Kann man aber nicht wissen, dass damit gemeint ist, dass man möglichst weit rechts fahren sollte, wenn dies technisch möglich ist. Natürlich kann auf dreispurigen Autobahnen davon abgewichen werden, wenn auf der rechten Spur ab und an ein Fahrzeug zu finden ist. Dann darf man in der Mitte fahren. Meiner Erfahrung und Beobachtung nach interessiert es die Leute aber überhaupt nicht, ob da rechts irgendwas fährt. Sie fahren einfach dauernd mittig. Da kann über 10 km nichts auf der rechten Seite sein, manchmal auch mehr, der Mittelspurfahrer bleibt seiner Mittelspur treu. Ein Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot kostet 80 €. Diese Repressalie ist auf drei- und mehrspurigen Autobahnen aber im Prinzip nutzlos, weil sie einfach nicht kontrolliert wird, da die Abwägung der Polizei anscheinend zu schwierig ist. Die halten lieber polnische LKW an und lassen die ihre komplette Ware ausräumen. Ich bin dazu übergegangen sämtliche Mittelspurfahrer einfach rechts zu überholen. Damit begehe ich dann natürlich ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit und bringe mich und andere in Gefahr. Ist aber billiger als Nötigung.

Womit wir beim nächsten Punkt wären. Von Nötigung im Straßenverkehr sprechen wir, wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer uns oder wir einen anderen Verkehrsteilnehmer durch eindeutige Zeichen zum Verlassen der Überholspur veranlassen will/wollen. Dank einer nicht mehr ganz aktuellen Änderung im Bußgeldkatalog wird seit einer Weile verstärkt auf diese Unart der Autofahrer reagiert. Nötigung ist keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat und damit richtig schön teuer und wohl aus diesem Grund auch recht selten geworden. Im Schnitt nötigt mich persönlich ein Autofahrer alle 500 bis 1.000 km. Es regt mich tierisch auf, wenn so ein Halbaffe von hinten mit 200 km/h ankommt und mir dann auf die Nüsse geht, nur weil ich gerade mit lediglich 140 einen LKW oder langsameren PKW überhole. Solche Leute stören mich noch viel mehr als die Mittelspurschleicher, die jedoch häufiger zu finden sind. Problematisch ist, dass eine Nötigung im Straßenverkehr sehr schwierig nachzuweisen sein dürfte. Im Zweifelsfall steht Aussage gegen Aussage und die Abgrenzung zum bloßen Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes ist auch nicht ganz eindeutig. Dichtes Auffahren allein reicht im Normalfall nicht aus. Es müssen zusätzliche Komponenten, wie „Lichthupe geben“ oder „hupen“ hinzukommen. Auch extrem weit links fahren während man den Sicherheitsabstand zum Vordermann nicht einhält, kann den Tatbestand der Nötigung erfüllen. Jeder „Genötigte“ ist anzeigeberechtigt. Ich denke aber, dass kaum einer von diesem Recht Gebrauch macht. Eventuell weiß er nicht einmal davon. Die Polizei sehe ich recht selten am Freitag auf der Autobahn fahren, außer es wird irgendwo geblitzt. Leider scheinen die Cops hier immer noch ihre Hauptaufgabe zu sehen, statt die wirklich gefährlichen Manöver, die so täglich auf der Autobahn stattfinden zu bestrafen.

Geblinkt wird auf der Autobahn grundsätzlich entweder gar nicht oder maximal einmal, wenn man die Spur schon halb verlassen hat. Geht ja auch keinen was an, auf welcher Spur man gleich weiterfahren will. Höchstens halt die Leute hinter einem, aber die müssen halt aufpassen. Wenn ich nicht alle hundert Kilometer mindestens einmal „aufpasse“, bin ich in einen Unfall verwickelt. An manchen Tagen ist es schlimmer als an anderen. Wenn es heiß ist oder sehr schwül, drehen die Autofahrer grundsätzlich häufiger durch. Zur Verteidigung der Blinklichtunterlasser muss ich allerdings sagen, dass es halt schwierig ist den Blinkhebel auf der linken Seite zu benutzen, wenn man in dieser Hand gerade sein Handy hält. Wird ja sicherlich ein wichtiger Anruf sein, z.B. die Bundeskanzlerin oder die Mutti, ob sie die Kartoffeln schon auf den Herd stellen soll.

Bei einem Fall bin ich mir nicht sicher, ob der Oppa und seine Omma im Mercedes richtig gehandelt haben oder ich. Vielleicht könnt ihr mir da ja mit eurer Meinung etwas weiterhelfen. Die Situation war folgende: Ich fuhr mit circa 110 km/h in einer längeren Kolonne auf der linken Spur der Autobahn als die rechte Spur so weit das Auge blickte frei wurde. Als einziger PKW verließ ich die Spur und setzte meine Reise in der gleichen Geschwindigkeit fort, der Rest der Kolonne fuhr ebenfalls mit dieser Geschwindigkeit. Sicherheitsabstand hatte ich natürlich eingehalten und der nach mir fahrende, bereits erwähnte, Mercedes auch. Circa nach 2 km kam ein Hindernis in Form eines ca. 80 km/h schnellen LKW auf der rechten Spur. Ich blinkte und wollte offensichtlich wieder auf die linke Spur wechseln. Der Mercedesfahrer bemerkte dies und gab just in diesem Augenblick Gas um die Lücke die durch mein Wechseln zuvor entstanden war zu-zu-fahren. Das hinderte mich allerdings nicht, dennoch in diese Lücke zu stoßen, worauf sich die Beifahrerin extrem aufregte. Sicherheitsabstand war offensichtlich nicht gegeben. Hinter dem Mercedes ging die Schlange noch sicherlich 10 Autos weiter, welche alle dicht-an-dicht fuhren. Habt ihr eine adäquate Lösung? Ich sehe mich da im Recht, vor allem, weil der Mercedes die ganze Zeit über (immerhin circa 2 km) nicht zu den vorderen Autos auf schloss, es aber sobald ich blinkte, furchtbar eilig hatte. In der Situation musste ich mich echt kurz zusammenreißen um nicht eine beleidigende Geste zurückzugeben (die Dame hatte mir einen Vogel gezeigt).

Freundliche Reaktionen kommen aber trotz allem auch vor. Vor ein paar Wochen wollte jemand auf meine Spur und hat wohl den Schulterblick vergessen, ich befand mich im toten Winkel. Ich bremste und hupte, er reagierte und blieb auf seiner Spur. Als ich vorbei fuhr, kurz einen Blick hinüber warf, wurde mir deutlich gemacht, dass es dem Fahrer Leid tat und er Besserung gelobe. Ich hatte sofort gute Laune. So könnte das doch öfter auf der Autobahn zugehen, oder?

Spannend ist auch, was LKW-Fahrer so während der Fahrt machen. Kaffee kochen ist Standard, Zeitung lesen auch. Ab und zu findet man jemanden mit Fernseher in der Kabine. Bin gespannt, wann ich den ersten entdecke, der sich die Zehennägel schneidet. Ich habe für diese Berufsgruppe allerdings für meine Verhältnisse wirklich viel Verständnis, weil sie einen Knochenjob machen müssen. Ungezählte Stunden auf dem Bock. Wenn es geht noch für den Chef das Fahrtenbuch fälschen, damit man länger fahren kann. Ein bescheidenes Gehalt. Ständig weg von der Familie. Ein Haufen Verantwortung und kaum Bewegung. Ich würde um nichts in der Welt mit denen tauschen wollen.

Auch auf der Landstraße kann es furchtbar sein. Das muss dann nicht unbedingt daran liegen, dass man einem LKW 60 Minuten hinterherfahren muss und sich keine Möglichkeit zum Überholen ergibt, sondern das schaffen auch ganz gut andere PKW-Fahrer. Besonders schlimm ist es auf Straßen, auf denen fest installierte Blitzer stehen. Das Schild zeigt maximal 100, der PKW-Fahrer fährt grundsätzlich 80 und bremst vor jedem Blitzer, als ob man geblitzt werden würde, wenn man deutlich zu langsam fährt… Da könnte ich wirklich regelmäßig ausrasten.

Trotz der vielen Schimpfe, muss ich zugeben, dass auch mir schon Fehler passiert sind, die nur dank der Aufmerksamkeit von anderen Fahrern nicht zu Unfällen geführt haben. Nicht oft, aber bei so vielen Kilometern, die ich in meinem Leben schon gefahren bin, kam es ab und an schon vor. Ich bin dann allerdings der letzte, der sein Fehlverhalten nicht einsieht und hab mich immer brav entschuldigt. Natürlich lediglich im Rahmen der Möglichkeiten, wenn man hinterm Steuer sitzt.

Zu guter Letzt frage ich mich, warum sich der deutsche Gesetzgeber kein Vorbild an seinen ausländischen Pendant nimmt. In vielen europäischen Staaten ist die Höchstgeschwindigkeit 130. Manchmal liegt sie noch geringer, aber ich erachte 130 als gute Höchstgeschwindigkeit. Die Folge sind: Weniger Unfälle, weniger Stau, weniger Benzinverbrauch, weniger Umweltbelastung, weniger Stress auf der Autobahn. Nachteile gibt es keine. Aber Gegenwehr. Der ADAC fordert regelmäßig „Freie Fahrt für freie Bürger“. Selten so einen Schwachsinn gelesen. Was hat es bitte mit meiner Freiheit zu tun, wie schnell ich fahre? Tatsache ist, je schneller man fährt, desto mehr verliert man den Überblick über die Situation und ab einer gewissen Geschwindigkeit kann man überhaupt nicht mehr reagieren, wenn etwas Unverhofftes eintritt. Mit überhöhter Geschwindigkeit gefährdet man andere Personen an Leib und Leben. Überall ist das verboten, nur im Straßenverkehr politisch gewollt oder übersehen. Ich könnte jetzt noch Abschweifen auf den Lobbyismus im Benzin- und Autogeschäft, aber das überlasse ich besser anderen. Youtube hilft euch hier sehr witzige und treffende Statements zu finden.

Fahrt vorsichtig,

Euer Zero

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6 Kommentare zu “Kleinigkeiten, die mich tierisch nerven (1)

  1. Das „om(ma)inöse“ Mercedes-Beispiel wirft Fragen auf. Ob der ältliche Fahrer des Vehikels möglicherweise die Situation unterschätzt hat, einem herbeikriechendem Igel ausweichen wollte oder gelinde gesagt „Dumm wie Brot“ ist, sei an dieser Stelle zu vernachlässigen. Aber ein nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere („Hinter dem Mercedes ging die Schlange noch sicherlich 10 Autos weiter, welche alle dicht-an-dicht fuhren. „) riskantes Manöver durchzuführen, weil man sich im Recht wiegt, scheint mir sehr vermessen zu sein.

  2. Es fehlt mir ein wenig an Empathie um wirklich nachzuvollziehen können, was den Mercedesfahrer geritten hat. Ich gebe ja auch gerne zu, dass ich mein Verhalten nicht richtig fand oder zumindest fragwürdig. Allerdings war ich auch erst zwei Wochen aus Italien zurück, da gewöhnt man sich einiges an. Das Manöver hätte ich wohl an fast allen anderen Tagen abgebrochen, in dem Moment jedoch irgendwie nicht. Wie gesagt, nicht nur die anderen machen Fehler.

  3. Menschen blinken erst wenn sie schon halb auf der Spur sind um die anderen Menschen wissen zu lassen, dass sie sich einige Sekunden vor dem Spurwechsel dazu entschlossen haben auf die jeweilige Spur zu wechseln. Nur für den fall die anderen Menschen haben vergessen von welcher Spur die spurwechselnden Menschen vor drei Sekunden kamen 🙂

  4. Ganz ehrlich: ich habe NOCH NIE einen Opa im Mercedes gesehen, bzw. im Straßenverkehr erlebt, den ich nicht am liebsten aus der Karre gezerrt hätte, um ihn zu verprügeln. Opas im Benz sind fast noch schlimmer als Frauen im (mit Kuscheltieren geschmückten) Opel.

    Zum Thema Höchstgeschwindigkeit: Ich glaub es hackt! Unser Land lebt von der Autoindustrie und so ein schwachsinniges Gesetz würde sie empfindlich treffen. Außerdem darf bitte niemand vergessen, das bei uns niemand GEZWUNGEN wird, schnell zu fahren. Wer es sich höhere Geschwindigkeiten nicht zutraut, kann einfach auf der/einer rechten Spur langsamer fahren!

  5. Ach komm. Ich bitte dich. Was ist denn das für ein Argument? In wie weit hilft es denn der Automobilindustrie, wenn auf der Autobahn nur noch 130 km/h gefahren werden darf? Weil es dann weniger Unfälle gibt? Also weniger kaputte Autos, die ersetzt werden müssen. Klar. Aber das kannst du ja gern mal in einer Güterabwägung gegenrechnen. Was zählt mehr: Menschenleben oder Arbeitsplätze bzw. Profite der Automobilfirmen?

    Es wird niemand gezwungen zu rasen, aber es schützt auch keinen der nicht rast vor den Rasern. Im Verkehr passieren nämlich auch dem besten Fahrer Unfälle, für die er gar nichts kann und die er auch nicht verhindern kann. Allgemeines Lebensrisiko halt. Das wird allerdings eingedämmt durch eine Höchstgeschwindigkeitsregelung. Weniger Staus gäbe es auch und wie gesagt weniger Emissionen.

    Hier ist eine kleine Tabellen, wie es in den anderen Ländern aussieht: http://www.auto-reise-welt.de/tempolimit.8.149.htm
    Die überwiegende Mehrheit hat ein Tempolimit auf der Autobahn. Sind das alles Spinner mit schwachsinnigen Gesetzen?

    • Fehlerteufel. Im vierten Satz muss es natürlich „schadet“ und nicht „hilft“ heißen. Sollte aber auch aus dem Kontext erschließbar sein.

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