Eine Ode an die „Moderne Hausfrau“

Was würden viele von uns nur tun, wenn die Depression wieder einmal zuschlägt, wenn es die „Moderne Hausfrau“ nicht gäbe? Mit den wohl schönsten Produktanpreisungen Deutschlands, textlicher und bildlicher Art, lockt sie mit jeder neuen Ausgabe den geneigten Käufer in ihr Einkaufsnetz.

Da wird eine Winter-Cap für 5,95 € mit dem Satz „Wer den Kopf in den Sand steckt… …braucht keine warme Mütze. Doch wer erhobenen Hauptes durchs Leben geht, dem empfehlen wir die Winter-Cap!“ beworben. Wird einem da nicht nur der Kopf, sondern auch ums Herz warm? Die wundervollen Umschreibungen (z.B. „Sicherheits-Slip“ statt „Windel“) werden oft nur noch durch die Bebilderung übertroffen. Hier zum Beispiel bei der Werbung für Eis-Lutscher zum Selber-Machen:

Die Produktpalette der „Modernen Hausfrau“ (MH) ist allgemein sehr breit verfächert. Vermutlich kann man dort fast alles kaufen, was man nicht braucht. Wenn etwas nicht im Katalog steht, könnte es auch sein, dass ein Anruf beim Bestellservice hilft. Die MH-Dealer können bestimmt so einiges besorgen. Trotz der Palettenbreite gibt es in der MH kein Inhaltsverzeichnis. Der Wahnsinn hat System. Auf der Suche nach einem bestimmten Produkt (z.B. aus Recherchezwecken) entdeckt man mindestens 20 neue Produkte, die man auch nicht gebrauchen kann, deren Nützlichkeit aber überschwänglich angepriesen wird. Mit Metaphern und Ausrufezeichen wird dabei nicht gespart.

Fabelhafte Wortkreationen wechseln sich mit rhetorischen Fragen und zusammengesetzten Substantiven in einer solchen Geschwindigkeit ab, dass dem Leser von dieser verbalen Karussellfahrt entweder schwindlig oder gleich schlecht wird. Allerdings fragt man sich schon ab und zu, wie nützlich die Produkte wirklich sind. Wer kann zum Beispiel mit dem Fahrrad-Poncho „Deluxe“ tatsächlich noch ein zweirädriges Vehikel steuern?

Aber nicht nur gestandene Hausfrauen werden in der MH bedient, auch jüngere, coolere und stylischere Hausfrauen werden fündig! Die modischen Tattoo-Ärmel sind schon aus „The Big Bang Theory“ bekannt.

In der aktuellen Ausgabe, wird auch der Blick zurück nicht gescheut. So wirft die Redaktionen einen „amüsanten Blick“ zurück nach 1969 ins Archiv des Katalogs. Weniger bezaubernd als heute waren die Anzeigen damals allerdings auch nicht.

Auch einsame Hausfrauen, quasi Single-Hausfrauen, gehen nicht leer aus. So gibt es für arme, meist unattraktive Hausmütterchen, dass sich doch nichts sehnlicher wünscht, als auch mal umarmt zu werden, neben einer zweiseitigen Dildokollektion, auch dieses prachtvolle Exemplar eines Kissens.

Die MH hilft wirklich in allen Lebenslagen. Auch bei der Erziehung der Lebensabschnittspartner der jeweiligen Hausfrau. Wir alle wissen, dass dies am besten spielerisch funktioniert. Will sich der alte Macho beim Pinkeln einfach nicht aufs Töpfchen setzen? Da hilft nur eins! Die eigene Golfausrüstung fürs stille Örtchen.

Als ob das noch nicht reicht, gibt es jede Menge Dekorationsmaterial inklusive Vorschläge, von weniger künstlerisch veranlagten Menschen oft schimpflich als „Kitsch“ bezeichnet. Auch für den Außenbereich findet die geneigte Kleingärtnerin diverse Hilfsmittel in der MH. Großartig sind vor allem die Hunde- und Katzengedenktafel mit Pfoten, die nachts wie durch Zauberhand leuchten und
die Solarlichter in verschiedenen Tierformen.

Alle Bilder sind (Ab-)Fotografien aus der „Modernen Hausfrau“, die Rechte liegen damit bei dieser.

Euer treuer Besteller

Zero

P.S.: Eine Freundin von mir vermutet übrigens, dass bekiffte Germanistik-Studenten die Texte schreiben. Ich kann mich da natürlich nicht anschließen. Sicher arbeitet da eine erfahrene und jahrelang geschulte Redaktion jeden Monat hart an diesem Katalog, der in keinem deutschen Haushalt fehlen sollte.

Update: Beachtet auch meinen neuen Artikel hierzu vom Juni 2013. Ihr findet ihn hier.