Reisebericht: Luxemburg

Immer mal wieder finden erfreuliche Nachrichten ihren Weg ins Postfach meines E-Mail Kontos. Neulich zum Beispiel wurde ich für einen kurzen Besuch in die Hauptstadt Luxemburgs eingeladen. Ein Ort, dem es auf Anhieb gelang, mich zu überraschen und zu begeistern.

Erste Eindrücke

Entspannt geklappt hat die Anreise im Eurocity. Der brauchte fünf Stunden ab Münster. Vor der Grenze in Trier gleich die erste Auffälligkeit: Alle bisherigen Passagiere stiegen dort aus. Nachdem sich mein Waggon vollständig geleert hatte, füllte er sich zögerlich mit Fahrgästen, die den Vorherigen wenig ähnelten. Meine neuen Mitreisenden waren gute dreißig Jahre jünger, auffällig schick gekleidet und trugen vereinzelt hochpreisige Kopfhörer um den Hals. Man merkt also deutlich, dass der Zug auf dem letzten Streckenabschnitt die Landesgrenze passiert. Dem Deutschen fehlt abends ein Anlass, sie in dieser Richtung zu überqueren. Die Luxemburger fahren heim vom Bummel in Trier.

Am Gare de Luxembourg angekommen strömte mir dann eine imposante Anhäufung von Anzugträger-innen entgegen. Einige gingen zügig, der Rest rannte! Ich spürte, dass die Zahl der Menschen, die aus dem benachbarten Ausland nach Luxemburg pendeln, um dort zu arbeiten (127.723 Grenzgänger1), um ein Vielfaches höher ist als die Zahl der Luxemburger, die zur Arbeit in die angrenzenden Länder Frankreich, Deutschland oder Belgien fahren (856 Personen). Würden diese asymmetrisch verlaufenden Arbeitnehmerströme in die Berechnungen des nominalen Bruttoinlandsprodukts pro Kopf mit einbezogen, käme man übrigens auf einen erheblich geringeren Wert als die angegebenen $ 113.5332 für jeden der rund 525.0003 Einwohner Luxemburgs.

Ich war noch nie zur Geschäftszeit im Frankfurter Bankenviertel, aber es muss dem Anblick sehr ähneln, der sich mir am Hauptbahnhof der Hauptstadt bot. Beim Verlassen des Gebäudes bemerkte ich doch noch einen Hauch von Vielfalt, bezogen auf die Äußerlichkeiten. Der edle Freizeitlook, einschließlich obligatorischen Trenchcoats aus Schurwolle, kommt auch vor. Es gibt sogar ein Schlupfloch für all jene, die sich äußerlich sichtbar abgrenzen möchten. Mit Baggy-Jeans, Vans in auffälliger Farbgestaltung und glänzenden Daunenjacken, alles in fabrikneuer Anmutung, ist der männliche Stadtmensch offenbar gut bedient, wenn das Ziel ist, sich abzuheben. Für Damen habe ich eine solche Abgrenzungsmöglichkeit übrigens noch nicht erkannt. Im Umkehrschluss heißt das: Die studierenden Paradiesvögel mit ihren knallig grellen, orangen oder grünen Errungenschaften aus den aktuellen Kollektionen schwedischer Textilketten, die seit längerem das Straßenbild in Münsters Innenstadt prägen, sucht man hier vergebens – ebenso den „stilsicher“ gekleideten Jurastudenten.

Der Anlass für meine Reise

Zugegeben, ich war nicht nur zur Stadtbesichtigung unterwegs, sondern habe auch in einer interessanten Arbeitsgruppe vorgesprochen. Zwei Doktoranden und ein sympathischer Gruppenleiter haben mich im Verhör auf Herz und Nieren abgeklopft, so dass ich am Ende völlig nassgeschwitzt und verzweifelt aus dem Gebäude taumelte. So sah zumindest meine Erwartung an den schlechtesten Fall aus. Gelaufen ist es glücklicherweise doch ein klein wenig anders. Man ließ mich viel erzählen und hörte mir interessiert zu. Genau genommen war die Stimmung fast heiter bis ausgelassen. Auf die Frage, was dagegen spräche, mich einzustellen, erwiderte ich „wenn es etwas gäbe, würde ich das doch jetzt nicht erzählen“. Meine Gesprächspartner quittierten die ehrliche Antwort mit einem wohlwollenden Lachen. Im Verlauf des Gesprächs habe ich dennoch auch Schwächen und Unsicherheiten offen angesprochen – ich denke, das gehört einfach dazu. Ein paar Tage später kam dann übrigens die Zusage. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich einerseits schon etwas damit gerechnet, weil mein Profil und die Stelle einfach gut zusammen passen und die allgemeine Stimmung zu ausgelassen war, als dass irgendwo eine böse Überraschung lauern könnte. Sicher war ich allerdings keinesfalls – es ist doch schwer abzuschätzen, ob andere Kandidaten nicht vielleicht noch etwas besser gepasst hatten oder es wichtige Kritikpunkte gegeben hatte, über die ich mir nicht bewusst war. Dem war glücklicherweise nicht so! Nun freue ich mich sehr auf eine aufregende Zeit in einem richtig guten Umfeld.

So sehr wie mir die Stadt auf Anhieb gefallen hat, so wenig wohl wäre mir dabei, die sagenhaften Mietpreise zu bezahlen, die im gesamten Land normal zu sein scheinen, insbesondere weil meine Arbeitsgruppe im Jahr 2014 in die unmittelbare Nähe der französischen Grenze zieht und man auf französischer Seite mit dem halben Budget auskommt. Aus diesem Grund habe ich mich nun auch gerade für eine Wohnung in der beschaulichen Kleinstadt Villerupt entschieden, sogar nicht weit vom neuen Campus Belval. Die Gegend mit ihrer hübschen Hügellandschaft kenne ich bisher nur von Fotos, aber schon morgen wird sich das ändern und ich werde mir einen eigenen Eindruck verschaffen können. Da bin ich mal neugierig!

Als nächstes muss ich mir noch überlegen, was für eine Hardwareausstattung mir gefallen würde. Die Arbeitsgruppe nutzt mehrheitlich die Laptops mit Leuchtlogos. Mit der Bedienung dieser Geräte habe ich bisher noch gar keine Erfahrung, also wäre es auch eine gute Gelegenheit, um etwas Neues kennenzulernen. Ich soll alle Komponenten selbst auswählen, nur externe Bildschirme gibt es über die Uni. Wer kann mich beraten?

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