Tagebuch eines Nichttrinkers (1)

01. Juni 2013

Heute beginnt also mein „Experiment“ oder „Projekt“, nennt es wie ihr möchtet. Ich werde von heute an bis Ende Juni keinen Alkohol anrühren. Also gar keinen. Keinen kleinsten Schluck. Um mich zu rüsten war ich vorhin einkaufen. Schon da musste ich mir vor Augen führen, dass ich gar nicht erst in die Wein- und Spirituosenabteilung abbiegen muss. Bier trinke ich zur Zeit sowieso nur auswärts, so gut wie nie zu Hause.
Heute Abend findet dann das DFB-Pokal-Finale zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München statt. Damit das Spiel an sich und für mich auch der Verzicht auf Alkohol einfacher zu ertragen ist, werde ich es dieses Mal allein daheim gucken und nicht wie beim Champions-League-Finale ein Public-Viewing besuchen.

Eine erste wirkliche Erfahrung habe ich aber schon diese Woche, noch vor dem eigentlich Start des Projekts, machen müssen. Eine meiner Meinung nach recht krasse Erfahrung. Am Dienstag Abend hatte mein Sportverein, der sich im Nachbarort befindet, eine Mitgliederversammlung. Als Test hatte ich beschlossen bei dieser Versammlung nichts alkoholisches zu trinken. Als dann eine Runde ausgegeben wurde, blieb ich beim Wasser. Einer meiner Vorgesetzten spielt im gleichen Verein, war aber zu dem Zeitpunkt noch nicht anwesend. Er kam allerdings später, als ich schon gegangen war, nach und erfuhr von einem meiner Vereinskameraden, dass ich nix getrunken hatte. Am nächsten Tag musste dieser das wohl meinem Chef gesteckt haben, woraufhin dieser einer Kollegin den „Auftrag“ erteilte, dafür zu sorgen, dass ich „mal lockerer“ werde. Obwohl die Kollegin mich gleich verteidigte und mich als humorvoll beschrieb, wurde später noch einmal nachgehakt. In dieser Situation stellt sich mir die Frage, was andere davon haben, wenn ich Alkohol konsumiere. Beim Party machen oder Dating kann ich es ja noch nachvollziehen, aber bei einer Versammlung?

Als Chris gerade darüber berichtete, meinte dieser wörtlich: „Wenn jemand etwas anders macht – und für einige fällt nichts trinken definitiv in diese Kategorie – fragen sich diejenigen, warum man das macht. Und der Grund ist meistens nichts, was derjenige wissen will.
Ich kann mir vorstellen, dass es diejenigen dann so wahrnehmen, dass es keine geschlossene Gruppenhandlung mehr ist, sondern dass es Abspaltungen gibt, die ihren eigenen Weg gehen, die unabhängig sind. Durch solche Abspaltungen verliert die Gruppe an Geschlossenheit und damit an Stärke. Ergo sind solche individuellen Entscheidungen insbesondere bei denjenigen, denen viel an der jeweiligen Gruppenaktivität liegt – hier trinken – nicht so gerne gesehen.“

Ich halte das für eine möglicherweise sehr zutreffende Erklärung.

Was ich noch kurz vor Start des Projekts erlebt habe, lest ihr im nächsten Beitrag.

Non-Prost

Zero

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