Tagebuch eines Nichttrinkers (3)

09. Juni 2013

Nachdem ich euch in den letzten 2 Beiträgen (nachzulesen hier und hier) vor allem über die Zeit vor Beginn des Projekts berichtet habe, möchte ich nun endlich über die erste wirkliche Woche im alkoholfreien Monat Juni referieren.

Wie bereits im ersten Beitrag angeklungen, begann der Juni direkt anspruchsvoll mit dem DFB-Pokal-Finale. Ich hatte zudem noch eine schön kalte Flasche meines aktuellen Lieblingsweißweins im Kühlschrank. Der Durst war da, aber ich verzichtete. Um es mir etwas einfacher zu machen, verbannte ich die Flasche auch wieder aus dem Kühlschrank und verstaute sie im „Weinkeller“. Die anschließende Arbeitswoche verlief ohne jegliche Schwierigkeiten, erst am Freitag wurde ich gefragt, ob ich nicht einen Sekt mit trinken möchte. Da ich noch viel zu tun hatte, konnte ich dieses Angebot aber ohne jegliche Schwierigkeiten ablehnen.

Anschließend fuhr ich zu meiner Freundin, die den Vorschlag machte mit zwei weiteren Leuten abends in der Stadt auf einer 90er Party zu gehen. Ich hatte schon Lust, mal wieder unter Menschen zu kommen und so ging es gegen 9 los zum „Vorglühen“. Also Vorglühen für die anderen, Wasser trinken für mich. Schon an dieser Stelle hatte ich arge Probleme mit dem Verzicht. Ich hatte wirklich Durst, das Wetter war wunderbar und es lag ein Hauch von Neuem in der Luft. Die besten Voraussetzungen um zu Trinken. Dennoch schaffte ich es mich nicht zu einer „Pause“ überreden zu lassen. Wenn ich getrunken hätte, wäre das Projekt für mich zu Ende gewesen. Auch das mir absolute Geheimhaltung versprochen wurde, konnte mich nicht umstimmen. Es bringt mir ja rein gar nichts, mich selbst zu belügen. Also verzichtete ich.

Gegen 11 Uhr machten wir uns dann auf den Weg in den Club, in dem die Party stattfand. Ich hab niemanden gesehen, der nicht trank. Nachdem wir kurz draußen standen, wollten wir mal drin die Lage peilen und sind reingestiefelt. Jackett abgeben und auf die Tanzfläche. Der erste von drei DJs legte gerade auf. Scooter, Das Modul, Blümchen, die gesamte Eurodance-Technoscheiße, die ich schon immer furchtbar fand. Dazu Backstreetboys. Mir fiel wieder ein, dass ich die 90er zum Kotzen fand. Heute sind sie Kult, aber Trash kann sich schnell in Kult verwandeln. Ist eben so. Es war jedenfalls nicht zum Aushalten und ich amüsierte mich nicht wirklich. Wäre aber wohl mit wenig Alkohol auch nicht anders gewesen. Mit sehr viel Alkohol hätte es natürlich möglicherweise spaßig (auch für die anderen) sein können. Der zweite DJ machte dann deutlich bessere Musik und so hielt es trotz extrem Durst sogar durch die ganze Zeit eine Bierflasche zu halten, ohne davon zu kosten. Es wurde Dr. Alban, Cultur Beat, Rednex, Lou Bega und schließlich sogar MC Hammer mit „U can’t touch this“ gespielt. Ich weiß genau, wie ich betrunken abgegangen wäre. Aber auch so hob das meine Laune und nicht mal die Baywatch-Titelmelodie konnte mich total schocken.

Da meine Freundin am Samstag morgens schon zur Probe musste, sind wir dann gegen 1 oder halb 2 Uhr nach Hause aufgebrochen. Zum Glück. Ich hoffe ich habe den anderen nicht zu sehr in ihre guten Laune gestört, sowas kann ich nämlich immer sehr gut, wenn ich nüchtern bin.

Ergebnis: Ich halte immer noch durch, aber schön ist anders.

Zero

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