Und der Mob war sofort da…

Zur Zeit kommt meine Gegend nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Erst gab es diesen fürchterlichen Naziüberfall auf eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt. Berichte dazu findet man hier reichlich:

http://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/schlaegerei_kirmes_ballstaedt100_cpage-0_zc-1f8516c2.html (Erster kurzer Abriss des MDR; Bemerkung: Es handelte sich mitnichten um eine Schlägerei oder irgendetwas Eskalkiertes, sondern um einen brutalen, genau geplanten Überfall vermumter Rechtsradikaler auf eine Feier)

http://www.tlz.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Mahnwache-in-Ballstaedt-nach-brutalem-Nazi-Ueberfall-1546628967 (Ballstädt rückte noch näher zusammen)

http://www.tlz.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Schock-fuer-Ballstaedter-Keine-Festnahmen-nach-Nazi-Ueberfall-823738604 (Zunächst gab es keine Festnahmen)

http://www.mdr.de/nachrichten/ballstaedt-ueberfall-razzia100_zc-e9a9d57e_zs-6c4417e7.html (Schließlich eine Razzia)

https://haskala.de/2014/02/09/ballstaedt-ueberfall/ (In dem Bericht von der Linken sieht man unten auf dem Foto das Umfeld der Täter)

Ich habe bewusst nichts zu den Vorfällen geschrieben, weil ich zu geschockt war. Objektiv hätte ich vermutlich nicht darüber schreiben können.

Nun gibt es einen neuen schlimmen Vorfall. In Nägelstedt ist wohl ein 10jähriger Junge Opfer eines versuchten sexuellen Missbrauchs worden. Die genauen Umstände sind meiner Kenntnis nach nicht geklärt. Man findet einen ersten Artikel in der TA:
http://badlangensalza.thueringer-allgemeine.de/web/badlangensalza/startseite/detail/-/specific/Versuchter-Kindesmissbrauch-in-Naegelstedt-281167355

Der mutmaßliche Täter gehört anscheinend zu einer Einrichtung für Behinderte, dem Stiftsgut Nägelstedt, er ist mittlerweile gefasst und in einer Psychatrischen Einrichtung untergebracht worden. Es geht von ihm daher keine akute Gefahr aus. Der Vorfall ist nicht geklärt, die Ermittlungen sind nicht abgeschlossen. Dennoch haben einige Menschen in Nägelstedt, unter Ihnen offensichtlich auch der Ortsteilbürgermeister Torsten Wronowski, nichts besseres zu tun als die sofortige Schließung der Einrichtung zu fordern. Zu diesem schnellen politischen Vorstößen kommen dann auch noch die brennenden Mistgabeln. Ein Banner hängt nur wenige Stunden nach der Tat im Ort „Kinderschänder RAUS aus Nägelstedt“. Wer immer dafür verantwortlich ist: Ein erbärmlicher Haufen seid ihr. Schon für den Duktus „Kinderschänder“ muss man sich schämen. Ein missbrauchtes Kind ist NICHT geschändet. Es kann nichts für einen Missbrauch, es ist unschuldig und nicht für sein Leben gezeichnet. Kurz um, dieses Wort sollte und darf nicht im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch stehen.
Das allein ist aber nicht alles. Das Plakat beschuldigt indirekt alle Bewohner der Einrichtung Kindesmissbraucher bzw. potentielle Gewalttäter zu sein. Nach meinen Informationen handelt es sich bei den Bewohnern um Menschen mit geistigen Behinderungen. Es ist einfach Unrecht Menschen, die ein Normverhalten eventuell aufgrund einer Behinderung nicht einschätzen können, so beleidigend abzustrafen. Die Einrichtung ist wichtig und nützlich. Natürlich muss im Einzelfall geprüft werden, ob eine latente Gefahr von einzelnen Bewohnern ausgeht. Aktuell ist allerdings noch gar nichts passiert. Der Junge hat sich nach seinen Aussagen gewehrt und ist entkommen. Nur Vorverurteilungen wurden schon getroffen. Dieses „Kind“ ist also schon in den Brunnen gefallen.

Hier de Bericht der TA dazu:
http://badlangensalza.thueringer-allgemeine.de/web/badlangensalza/startseite/detail/-/specific/Versuchter-Kindesmissbrauch-in-Naegelstedt-Einwohner-fordern-Wohnheimschliessun-153968432

Schämt sich für einen Teil der Nägelstedter Bevölkerung
Zero

Auf Bebilderung des Artikels wurde absichtlich verzichtet.

Wehren ist Bürgerpflicht

Deutschlands Geschichte ist geprägt vom Weggucken und Abducken. Das wissen wir. Deswegen fangen wir auch oft zu nicken an, wenn jemand einen Satz beginnt: „Man wird doch wohl noch sagen dürfen, dass…“. Diese Sätze enden oft unterschiedlich, haben aber doch immer die gleiche Intention. Es sind die gleichen Sätze, wie „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber…“, „Ich bin für multikulti, aber…“ und „Ich habe nichts gegen [Andersdenkende], aber…“. Alles was vor dem „aber“ steht, könnt ihr eigentlich vergessen, das sind nur Ausreden und Zurückrudern, aber nicht die ernsthafte Meinung der Person.

Ich nicke nicht, wenn jemand so einen Satz beginnt, sondern ich fange an nachzudenken und höre gespannt zu was nun als nächstes kommt. Meist ist es erschreckendes. Meist bin ich auch der Einzige, der gegen den Wortführer Partei ergreift, aber man lernt damit umzugehen. Stammtischparolen ziehen sich leider quer durch die Bevölkerung, ich höre sie von Arbeitern, Angestellten, Politikern, Managern*.

Zur Meinungsfreiheit habe ich ja schon einmal etwas gesagt, aber es kann nicht oft genug betont werden: JA, ihr DÜRFT eure Meinung sagen, aber ihr könnt eben NICHT verlangen, dass dieser Meinung dann nicht widersprochen wird. Meinungsfreiheit heißt, dass ihr vieles sagen dürft ohne eine Strafverfolgung zu fürchten (auch hier gibt es – zu Recht – Grenzen). Es ist nämlich die Meinungsfreiheit des anderen, euch Paroli zu bieten. Intoleranz muss niemals toleriert werden.

Meinungen sind komplex und beruhen auf vielen Faktoren. Um sie fundiert bilden zu können, muss viel getan werden. Die meisten Menschen haben dafür verständlicherweise keine Zeit. Dennoch bilden Sie sich eine Meinung. Das ist normal und muss so hingenommen werden. Auch aus diesem Grund haben die Medien eine große Verantwortung, denn sie wirken extrem meinungsbildend. Leider nehmen sie diese Verantwortung oft nicht wirklich wahr.

Ganz aktuell ist der Fall, der das Wort „Islam-Bonus“ geprägt hat, durch die Medien geschleift worden. Ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen**. Aber diese Wörter prägen dann halt Meinungen. Meinungen von Menschen, die eigentlich liebenswert und freundlich sind. Ihr Hirn wird umnebelt und sie werden infiziert mit Hetze. Und das nun schon seit Jahren. Irgendwann funktioniert das halt. Ständige Wiederholung wirkt. Das wussten schon einige Politiker noch vor Gründung der BRD.

Was könnt ihr tun? Nicht bloß zuhören und denken „nein, das stimmt doch nicht“, sondern sagen „nein, das stimmt doch nicht!“ Es ist dazu natürlich unabdingbar bessere Argumente zu haben, Behauptungen widerlegen zu können und rhetorisch nicht komplett unterlegen zu sein. Im Web ist es meist einfacher etwas zu tun. Ich war zwar erstaunt, aber die Richtlinien bei Facebook sind scheinbar restriktiv genug um abwertende und menschenverachtende Bilder und Kommentare recht zügig entfernen zu lassen.

Eine Freundin schrieb mich dieser Tage an, weil sie ein Bild bei einem ihrer Freunde entdeckt hatte. Sie war davon schockiert, genau wie ich. Man denkt, man kennt sich. Vertritt ähnliche Ideale und auch politische Anschauungen. Manchmal irrt man sich da aber. Der (auch mir) Bekannte hatte folgendes Bild gepostet (Änderung in Rot von mir):

links: burkatragende Frauen (Quelle nicht klar), rechts: Ku-klux-Klan (Qeulle nicht klar)

links: burkatragende Frauen (Quelle nicht klar), rechts: Ku-klux-Klan (Qeulle nicht klar)

Faktastisch.net sagt dazu folgendes:

Quelle: Faktastisch.net

Quelle: Faktastisch.net

Facebook sagte nach wenigen Stunden dieses (Meldung durch die Freundin, Zensur des Namens von mir):

Quelle: Screenshot - Private Nachricht von Facebook

Quelle: Screenshot – Private Nachricht von Facebook

 

Ihr könnt also etwas tun! Ohne viel Arbeit, wenige Klicks und die Welt ist ein bisschen besser. Setzt euch für andere ein, auch wenn eure eigenen Belange nicht tangiert werden. Gegen Homophobie, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz. Euer Gewissen wird es euch danken.

Wunderschönes Wochenende

Zero

*Jeglichen Geschlechts, denkt euch bitte diesmal die weiblichen Formen dazu.

**Hier findet ihr Links zu dem Thema:
http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/fall-jolin-s-wegen-eines-medial-erfundenen-islam-rabatts-stehen-richter-am-pranger_14020743.htm
http://www.bildblog.de/55777/die-bild-theorie-vom-islam-rabatt/