Auch mir platzt mal der Kragen

Wie konform muss ich eigentlich sein? Ich muss am 26.12. nicht mit in ein Brauhaus gehen, das ein einziges vegetarisches Gericht auf der Karte hat (Penne „Rigatte“, also mit Feta) und meiner Mutter am Telefon sagt, meine Ernährungswünsche seien mein Problem. Dabei wollte sie nur wissen, was denn vom Buffet vegan sein würde. Das wisse man noch nicht. Die Salate vielleicht. Nur nebenbei bemerkt: Das ist nicht der Normallfall. Ich habe schon die tollsten Restaurants kennengelernt, in denen sich ein zuvorkommender Service gut mit der Küche abgestimmt hat und ich satt und zufrieden gegangen bin.

ActivismIsTheRentIPayForLivingOnThisPlanetJetzt stelle ich mir die Frage, ob ich meiner Familie beim Fleischessen zusehen möchte, in einem Brauhaus, das nichts anderes kann, als totes Tier und Produkte aus dessen Muttermilch zuzubereiten. Nachdem ich heute schon mit am Tisch sitzen darf, wenn ein anderer Teil der Familie eine Pute verspeist. Bisher wäre es für mich unvorstellbar gewesen, bei Weihnachtstreffen mit der Familie zu fehlen. Das hat sich eben geändert. Ich muss gar nichts. Und schon gar nicht gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn sich meine Familie genüsslich Unmengen von Fleisch reinzieht. Was zum Fest der Liebe gegessen werden wird, sind Leichenteile, die von Tieren stammen, die kaltblütig getötet wurden für nichts als den Genuss von Menschen. Die gefüttert wurden mit Futter, ob lokal angebaut oder importiert, für das die Mastbetriebe höhere Preise bezahlen können, als manche Menschen, die sich dieses „Futter“ nun nicht mehr leisten können, obwohl es bisher ihr Grundnahrungsmittel gewesen ist. Futter, das auf Flächen angebaut wurde, die schon längst nicht mehr unseren Bedarf decken und ohne Rücksicht auf Natur oder lokale Bevölkerungen ständig ausgeweitet werden. Futter, mit dem hunderte Milliarden Tiere gefüttert werden, die Unmengen an Treibhausgasen ausstoßen und oft ganz furchtbare Qualen erleiden müssen.

50percentOfRainForestIn1MinuteFuer1KGRindfleisch chooseyourteam Afrikaner_FingerWegVomTierfutterCowsNeverDieOfHungerTiereEssenKinderHungern DritteWeltMehrGebenWenigerStehlenGreenhouseGasesDontBelieveInGlobalWarming

Nein, davon muss ich kein Zeuge werden. Ich lasse viel über mich ergehen und halte oft den Mund, wo ich mich innerlich nur frage, was hier eigentlich gerade geschieht. Aber ich muss nicht alles mitmachen. Ich komme mir immer so vor, als müsste ich aufspringen, losschreien, die Leute wachrütteln. Als würde ich mich mitschuldig machen, wenn ich schweige. Aber ich kenne auch die Leute. Ich war ja selber so, bis vor Kurzem. Was mich dann verändert hat, war beides. Schweigende Vorbilder und mutige Rebell*innen.

Toleranz_wird_zum_Verbrechen_wenn_sie_dem_Bösen_giltVeganismJustAPersonalChoice

In der Geschichte der Menschheit kam es immer wieder vor, dass ganze Völker sich derart brutal und unfair verhalten haben, dass wir uns heute fragen, wie das geschehen konnte. Hält es außer mir noch jemand für möglich, dass wir uns in 75 Jahren dasselbe in Bezug auf den heutigen Umgang mit Tieren fragen werden? Wer will freiwillig weiterhin Teil von diesem mensch- und tierverachtenden System bleiben? Wer will sich mitschuldig machen, Blut an den Händen haben? Der Ausstieg ist so einfach. Nicht alles vegane Essen schmeckt beim ersten Mal. Manchmal braucht man etwas Ausdauer, und Experimentierfreude sowieso. Aber soll das ernsthaft ein Hindernis sein? Ich schwöre, es gab für mich keine lohnendere Entscheidung, als diese, die mich mein Leben lang glücklich machen wird.

LeonardoDaVinci

Wie konform muss ich eigentlich sein? Überhaupt nicht. Trotzdem bin ich gesellschaftlich bestens integriert. Ich verstehe, dass es nicht allen so geht und kann dann die Vorgehensweise empfehlen, nicht alle weltanschaulichen Gesinnungen offen erkennbar zu geben, sondern den richtigen Moment und das passende Gegenüber abzuwarten.

ZitatMartinLutherKing_OurLivesBeginToEndWhenWeBecomeSilentAboutThingsThatMatter

Übrigens: Falls jemand tatsächlich ernstgemeinte und stichhaltige Argumente gegen die vegane Lebensweise kennt und diese freiwillig mit mir besprechen würde, möge diese Person sie bitte in den Kommentaren posten. Ich mache dann einen neuen Thread auf, in den die Argumente eingefügt werden. Ich weiß nicht alle Fakten auswendig und kann nicht alles spontan erklären, aber mir ist es noch nicht untergekommen, mit überzeugenden und unwiderlegbaren Argumenten gegen die vegane Lebensweise konfrontiert zu sein. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Ich bin ein Freund des konstruktiven und sachlichen Austauschs.

DeinKassenbonIstEinStimmzettelIn diesem Sinne … fröhliche tierleidfreie Weihnachten!

Chris

Weihnachtsgans

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4 Kommentare zu “Auch mir platzt mal der Kragen

  1. Ich habe mich gerade heute mit meinem Bruder über das Thema unterhalten. Wir sind beide schon jahrelang (ich gut 7 Jahre) Vegetarier, aber wir stellen immer wieder fest, dass es natürlich noch konsequenter und nötig wäre auch auf Milch und Eier etc. zu verzichten. Seit wann ernährst du dich schon vegan?

  2. Bei mir sind es jetzt 2 3/4 Jahre. 7 Jahre vegetarisch klingt ja super! Auf jeden Fall hat vegan da noch einige Vorteile. Für Milchprodukte wird auch viel Futtermittel verbraucht und (Milch)Kühe führender sind Treibhausgasemmitent. Zudem werden sie fortlaufend geschwängert und jedes Mal von ihren Kälbern getrennt, was wohl sehr schmerzhaft ist. Bei Eiern werden die männlichen Küken geschreddert (weil aus ihnen keine Legehennen werden können). Gesundheitlich ist beides – Milchprodukte und Eier – viel viel schlechter als der Ruf, den wir diesen Lebensmitteln nur allzugerne weiterhin zuschreiben würden. Also hab nur Mut, den Schritt zu gehen!

  3. Hast du dann quasie von einem auf den anderen Tag auf alle tierischen Lebensmittel verzichtet oder hast du es schrittweise begonnen?

  4. War ja vorher schon vegetarisch … hab dann irgendwann einfach keine neue Milch etc. mehr gekauft und so langsam Rezepte und Alternativen durchprobiert. In der Zeit ging es ganz gut, weil ich wenig auswärts gegessen habe. Auswärts muss man nett fragen und um Entgegenkommen bitten. Zuhause braucht es Experimentierfreude und Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Lebensmitteln. In den ersten Wochen/Monaten gab es auswärts aber immer mal kleinere Malheure, die ich aber locker genommen habe 😉

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