Auch mir platzt mal der Kragen

Wie konform muss ich eigentlich sein? Ich muss am 26.12. nicht mit in ein Brauhaus gehen, das ein einziges vegetarisches Gericht auf der Karte hat (Penne „Rigatte“, also mit Feta) und meiner Mutter am Telefon sagt, meine Ernährungswünsche seien mein Problem. Dabei wollte sie nur wissen, was denn vom Buffet vegan sein würde. Das wisse man noch nicht. Die Salate vielleicht. Nur nebenbei bemerkt: Das ist nicht der Normallfall. Ich habe schon die tollsten Restaurants kennengelernt, in denen sich ein zuvorkommender Service gut mit der Küche abgestimmt hat und ich satt und zufrieden gegangen bin.

ActivismIsTheRentIPayForLivingOnThisPlanetJetzt stelle ich mir die Frage, ob ich meiner Familie beim Fleischessen zusehen möchte, in einem Brauhaus, das nichts anderes kann, als totes Tier und Produkte aus dessen Muttermilch zuzubereiten. Nachdem ich heute schon mit am Tisch sitzen darf, wenn ein anderer Teil der Familie eine Pute verspeist. Bisher wäre es für mich unvorstellbar gewesen, bei Weihnachtstreffen mit der Familie zu fehlen. Das hat sich eben geändert. Ich muss gar nichts. Und schon gar nicht gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn sich meine Familie genüsslich Unmengen von Fleisch reinzieht. Was zum Fest der Liebe gegessen werden wird, sind Leichenteile, die von Tieren stammen, die kaltblütig getötet wurden für nichts als den Genuss von Menschen. Die gefüttert wurden mit Futter, ob lokal angebaut oder importiert, für das die Mastbetriebe höhere Preise bezahlen können, als manche Menschen, die sich dieses „Futter“ nun nicht mehr leisten können, obwohl es bisher ihr Grundnahrungsmittel gewesen ist. Futter, das auf Flächen angebaut wurde, die schon längst nicht mehr unseren Bedarf decken und ohne Rücksicht auf Natur oder lokale Bevölkerungen ständig ausgeweitet werden. Futter, mit dem hunderte Milliarden Tiere gefüttert werden, die Unmengen an Treibhausgasen ausstoßen und oft ganz furchtbare Qualen erleiden müssen.

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Nein, davon muss ich kein Zeuge werden. Ich lasse viel über mich ergehen und halte oft den Mund, wo ich mich innerlich nur frage, was hier eigentlich gerade geschieht. Aber ich muss nicht alles mitmachen. Ich komme mir immer so vor, als müsste ich aufspringen, losschreien, die Leute wachrütteln. Als würde ich mich mitschuldig machen, wenn ich schweige. Aber ich kenne auch die Leute. Ich war ja selber so, bis vor Kurzem. Was mich dann verändert hat, war beides. Schweigende Vorbilder und mutige Rebell*innen.

Toleranz_wird_zum_Verbrechen_wenn_sie_dem_Bösen_giltVeganismJustAPersonalChoice

In der Geschichte der Menschheit kam es immer wieder vor, dass ganze Völker sich derart brutal und unfair verhalten haben, dass wir uns heute fragen, wie das geschehen konnte. Hält es außer mir noch jemand für möglich, dass wir uns in 75 Jahren dasselbe in Bezug auf den heutigen Umgang mit Tieren fragen werden? Wer will freiwillig weiterhin Teil von diesem mensch- und tierverachtenden System bleiben? Wer will sich mitschuldig machen, Blut an den Händen haben? Der Ausstieg ist so einfach. Nicht alles vegane Essen schmeckt beim ersten Mal. Manchmal braucht man etwas Ausdauer, und Experimentierfreude sowieso. Aber soll das ernsthaft ein Hindernis sein? Ich schwöre, es gab für mich keine lohnendere Entscheidung, als diese, die mich mein Leben lang glücklich machen wird.

LeonardoDaVinci

Wie konform muss ich eigentlich sein? Überhaupt nicht. Trotzdem bin ich gesellschaftlich bestens integriert. Ich verstehe, dass es nicht allen so geht und kann dann die Vorgehensweise empfehlen, nicht alle weltanschaulichen Gesinnungen offen erkennbar zu geben, sondern den richtigen Moment und das passende Gegenüber abzuwarten.

ZitatMartinLutherKing_OurLivesBeginToEndWhenWeBecomeSilentAboutThingsThatMatter

Übrigens: Falls jemand tatsächlich ernstgemeinte und stichhaltige Argumente gegen die vegane Lebensweise kennt und diese freiwillig mit mir besprechen würde, möge diese Person sie bitte in den Kommentaren posten. Ich mache dann einen neuen Thread auf, in den die Argumente eingefügt werden. Ich weiß nicht alle Fakten auswendig und kann nicht alles spontan erklären, aber mir ist es noch nicht untergekommen, mit überzeugenden und unwiderlegbaren Argumenten gegen die vegane Lebensweise konfrontiert zu sein. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Ich bin ein Freund des konstruktiven und sachlichen Austauschs.

DeinKassenbonIstEinStimmzettelIn diesem Sinne … fröhliche tierleidfreie Weihnachten!

Chris

Weihnachtsgans

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Heute habe ich Grund zur Freude! Die erste eigene Klausur ist sehr gut angekommen. Warum das wichtig ist? Blöde Klausurfragen können so demotivierend sein, wenn Mensch in den Unterrichtsstunden aufmerksam war, sich aktiv beteiligt hat, gründlich gelernt hat und das alles am Ende gar nicht zeigen kann.

Als ich selbst noch an Prüfungen teilgenommen habe, wurde immer wieder über Lehrende und deren Prüfungen geschimpft. Ich habe darüber nachgedacht und irgendwann gebetsmühlenartig den immer selben Kommentar abgegeben: „Stimmt, deshalb sollten wir uns bemühen, es einmal besser zu machen“. Das ist hoffentlich passiert. Zum Dank dafür bin ich beim Korrigieren das Grinsen nicht losgeworden über die offensichtliche Emsigkeit der Teilnehmenden. Wie gut, die vier Tage in die Erstellung der Klausur investiert zu haben.

Chris

Standpunkt zur romantischen Zweierbeziehung

Es geht ums Abweichen von der romantischen Zweierbeziehung (RZB). Eine RZB bezeichnet die im westlichen Kulturkreis verbreitetste Form der intimen Beziehung zwischen zwei Menschen. Gesellschaftlich ist sie geachtet. Wesentliche Merkmale von ihr sind Ausschließlichkeit (begrenzte Zeit und Nähe mit Dritten, keine Intimität) und Absolutheit (wenn dann richtig, Zeithorizont unbegrenzt).

Was ist damit? Manche Ausschließlichkeit mag dem Zweck dienen, andere fernzuhalten. Doch das widerspricht dem Bild, dass wir Neues mögen! Und andere, und die Welt entdecken … Auf dem Spiel steht Vielfalt. Ist Veränderung kein Zeichen von Glück, wenn der Weg Ziel ist? Will ich einschränken, um an mich zu binden? Oder dass mir das geschieht.

Absolutheit erzeugt die Hürde für Wechsel. Mensch kann die Beziehung nicht herunterfahren, um sich zu öffnen. Und Neues nicht unverbindlich erleben, denn wer lässt sich mit Vergebenen ein und auf nichts Ganzes. Übrig bleibt die Dichotomie: das Ursprüngliche erhalten oder sein Ende ausrufen, mit vagem Ausgang. Keine temporäre Zwischenstufe würde Alternativen Raum zugestehen. Mensch will doch Beziehungen aufgrund von Zuneigung und Begeisterung führen. Weil sich Schönes von selbst erhält. Wenn Veränderung ganz leicht ist, wird nichts bloß aus Trägheit da sein.

Nähe existiert im Hier und Jetzt aufs Neue statt pauschal vereinbart. Wenn ich stets keine Zeit haben und mich ändern kann; wenn ich nicht fürchten muss, jemanden auf der Suche nach mehr aufzuhalten, dann werde ich mich nicht schlecht fühlen für etwas, das ich nicht erfüllen möchte.

Lesetipp mit Linkliste

Kurbeln wir die Wirtschaft an

Bevor ich Geld ausgebe, frage ich mich manchmal, ob ich das wirklich tun sollte. Eine Begründung fürs Geldausgeben ist leicht gefunden. Wir steigern so das Bruttosozialprodukt. Hervorragend! Wenn man jetzt nur noch wüsste, welcher Teil der Wirtschaft eigentlich angekurbelt werden soll.

Was steckt überhaupt hinter dieser Idee? Wenn sich ein Hausbesitzer entscheidet, das eigene Dach mit Solarzellen vollzupflastern, kann der Hersteller der Panele einen Teil des Kaufpreises nehmen, um seine Entwicklungskosten zu decken. Super! Allen ist geholfen. Genauso wenn irgendwo ein spezielles Restaurant eröffnet, von dessen Konzept man überzeugt ist, z.B. weil es gut schmeckt oder besonders nachhaltig ist. Dort Geld auszugeben, unterstützt den Betrieb dabei, sein Angebot aufrechtzuerhalten. Klasse! Es gäbe keine ausgereiften Panele oder hervorragenden Restaurants, wenn keiner bereit wäre, dafür zu bezahlen.

Aber was ist, wenn sich Jugendliche in der Disko den dritten Wodka-Redbull zum Kurs von 8,50 Euro reinziehen? Mit dem Geld wird wenig entwickelt oder Überdauerndes geschaffen. Stattdessen gibt es noch unerwünschte Nebeneffekte. Die Arbeitsplätze in der Branche sind vergleichsweise ungesund, weil es körperliche Nachtarbeit ist, Gewalt kommt vor, über Erbrochenes freut sich die Stadtreinigung weniger. Polizei und medizinische Versorgung werden genutzt.

Der Trip mit Ryanair und das Menü bei McDonalds stellen sich leider auch nicht als hilfreiche Maßnahmen heraus. Vom Flugpreis geht ein zu großer Anteil für Treibstoff drauf. Das Geld ist quasi verbrannt, sobald die Ressource verbraucht wird. Zwar hat es in Wirklichkeit nur jemand anders, aber wenn das ein Ölscheich in Dubai ist, ist das Ziel trotzdem verfehlt. Die Erträge der McDonalds Filiale fließen im Wesentlichen an die Aktionäre. Das sind sicher nette Personen oder attraktive Institutionen, aber ein Laster teilen alle – sie maximieren mit Vorliebe den eigenen Nutzen. Wer wirklich die Wirtschaft ankurbeln möchte, lässt sein Geld besser woanders.

Wo wäre das? Wenn wir berücksichtigen, ob die Mitarbeiter gut behandelt werden oder schonend mit begrenzten Ressourcen umgegangen wird, ist schon viel gewonnen. Dieser Gedanke ist aber nicht neu und nicht, worauf ich hinaus will.

Seltener hört man den Vorschlag, Unternehmen zu bevorzugen, die eine gegebene Menge an Erträgen mit weniger menschlicher Arbeitskraft erzielen, zumindest nicht von Befürwortern des linken politischen Spektrums.  Dabei liegt der Gedanke näher, als es scheinen mag! Gelingt es durch Automatisierung oder Skaleneffekte, dasselbe Produkt mit weniger personengebundenem Zeitaufwand zu erzielen, dann ist das tatsächlich ein wesentlicher Fortschritt. Nicht, damit die Hälfte von uns arbeitslos wird. Es ist nur so: Im Moment bewerten wir den Kaufpreis eines Produkts oder einer Dienstleistung fast immer in Geldeinheiten. Was wir aber eigentlich wollen, ist nicht ein Produkt, das wenig Euro kostet, sondern eines, das wenig menschlichen Zeitaufwand verursacht. Warum? In einer Welt, in der Unterschiede in den Gehältern und der Verteilung des Kapitals kleiner wäre, ist Arbeitszeit die eigentlich wichtige Bezugsgröße! Im Moment ist es Normalzustand, dass für jeden wohlhabenden Menschen mehrere Ärmere Überstunden machen müssen, um dessen Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn wir die menschliche Arbeitszeit im Auge behalten – egal wie billig sie in manchen Ländern auch sein mag – können wir das ändern!

Geben wir unser Geld also bevorzugt solchen Unternehmen, die menschliche Arbeitskraft bedacht einsetzen. Ich finde, das dürfen auch große Unternehmen sein, weil diese oftmals dieselbe Menge an Produkten oder Dienstleistungen mit weniger Aufwand erzeugen können. Natürlich nur, wenn sie diesen Vorteil in angemessenem Umfang an Mitarbeiter und Kunden weitergeben. So kurbeln wir den Teil der Wirtschaft an, der weiter bestehen soll.

Es grüßt
Chris

Reisebericht: Luxemburg

Immer mal wieder finden erfreuliche Nachrichten ihren Weg ins Postfach meines E-Mail Kontos. Neulich zum Beispiel wurde ich für einen kurzen Besuch in die Hauptstadt Luxemburgs eingeladen. Ein Ort, dem es auf Anhieb gelang, mich zu überraschen und zu begeistern.

Erste Eindrücke

Entspannt geklappt hat die Anreise im Eurocity. Der brauchte fünf Stunden ab Münster. Vor der Grenze in Trier gleich die erste Auffälligkeit: Alle bisherigen Passagiere stiegen dort aus. Nachdem sich mein Waggon vollständig geleert hatte, füllte er sich zögerlich mit Fahrgästen, die den Vorherigen wenig ähnelten. Meine neuen Mitreisenden waren gute dreißig Jahre jünger, auffällig schick gekleidet und trugen vereinzelt hochpreisige Kopfhörer um den Hals. Man merkt also deutlich, dass der Zug auf dem letzten Streckenabschnitt die Landesgrenze passiert. Dem Deutschen fehlt abends ein Anlass, sie in dieser Richtung zu überqueren. Die Luxemburger fahren heim vom Bummel in Trier.

Am Gare de Luxembourg angekommen strömte mir dann eine imposante Anhäufung von Anzugträger-innen entgegen. Einige gingen zügig, der Rest rannte! Ich spürte, dass die Zahl der Menschen, die aus dem benachbarten Ausland nach Luxemburg pendeln, um dort zu arbeiten (127.723 Grenzgänger1), um ein Vielfaches höher ist als die Zahl der Luxemburger, die zur Arbeit in die angrenzenden Länder Frankreich, Deutschland oder Belgien fahren (856 Personen). Würden diese asymmetrisch verlaufenden Arbeitnehmerströme in die Berechnungen des nominalen Bruttoinlandsprodukts pro Kopf mit einbezogen, käme man übrigens auf einen erheblich geringeren Wert als die angegebenen $ 113.5332 für jeden der rund 525.0003 Einwohner Luxemburgs.

Ich war noch nie zur Geschäftszeit im Frankfurter Bankenviertel, aber es muss dem Anblick sehr ähneln, der sich mir am Hauptbahnhof der Hauptstadt bot. Beim Verlassen des Gebäudes bemerkte ich doch noch einen Hauch von Vielfalt, bezogen auf die Äußerlichkeiten. Der edle Freizeitlook, einschließlich obligatorischen Trenchcoats aus Schurwolle, kommt auch vor. Es gibt sogar ein Schlupfloch für all jene, die sich äußerlich sichtbar abgrenzen möchten. Mit Baggy-Jeans, Vans in auffälliger Farbgestaltung und glänzenden Daunenjacken, alles in fabrikneuer Anmutung, ist der männliche Stadtmensch offenbar gut bedient, wenn das Ziel ist, sich abzuheben. Für Damen habe ich eine solche Abgrenzungsmöglichkeit übrigens noch nicht erkannt. Im Umkehrschluss heißt das: Die studierenden Paradiesvögel mit ihren knallig grellen, orangen oder grünen Errungenschaften aus den aktuellen Kollektionen schwedischer Textilketten, die seit längerem das Straßenbild in Münsters Innenstadt prägen, sucht man hier vergebens – ebenso den „stilsicher“ gekleideten Jurastudenten.

Der Anlass für meine Reise

Zugegeben, ich war nicht nur zur Stadtbesichtigung unterwegs, sondern habe auch in einer interessanten Arbeitsgruppe vorgesprochen. Zwei Doktoranden und ein sympathischer Gruppenleiter haben mich im Verhör auf Herz und Nieren abgeklopft, so dass ich am Ende völlig nassgeschwitzt und verzweifelt aus dem Gebäude taumelte. So sah zumindest meine Erwartung an den schlechtesten Fall aus. Gelaufen ist es glücklicherweise doch ein klein wenig anders. Man ließ mich viel erzählen und hörte mir interessiert zu. Genau genommen war die Stimmung fast heiter bis ausgelassen. Auf die Frage, was dagegen spräche, mich einzustellen, erwiderte ich „wenn es etwas gäbe, würde ich das doch jetzt nicht erzählen“. Meine Gesprächspartner quittierten die ehrliche Antwort mit einem wohlwollenden Lachen. Im Verlauf des Gesprächs habe ich dennoch auch Schwächen und Unsicherheiten offen angesprochen – ich denke, das gehört einfach dazu. Ein paar Tage später kam dann übrigens die Zusage. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich einerseits schon etwas damit gerechnet, weil mein Profil und die Stelle einfach gut zusammen passen und die allgemeine Stimmung zu ausgelassen war, als dass irgendwo eine böse Überraschung lauern könnte. Sicher war ich allerdings keinesfalls – es ist doch schwer abzuschätzen, ob andere Kandidaten nicht vielleicht noch etwas besser gepasst hatten oder es wichtige Kritikpunkte gegeben hatte, über die ich mir nicht bewusst war. Dem war glücklicherweise nicht so! Nun freue ich mich sehr auf eine aufregende Zeit in einem richtig guten Umfeld.

So sehr wie mir die Stadt auf Anhieb gefallen hat, so wenig wohl wäre mir dabei, die sagenhaften Mietpreise zu bezahlen, die im gesamten Land normal zu sein scheinen, insbesondere weil meine Arbeitsgruppe im Jahr 2014 in die unmittelbare Nähe der französischen Grenze zieht und man auf französischer Seite mit dem halben Budget auskommt. Aus diesem Grund habe ich mich nun auch gerade für eine Wohnung in der beschaulichen Kleinstadt Villerupt entschieden, sogar nicht weit vom neuen Campus Belval. Die Gegend mit ihrer hübschen Hügellandschaft kenne ich bisher nur von Fotos, aber schon morgen wird sich das ändern und ich werde mir einen eigenen Eindruck verschaffen können. Da bin ich mal neugierig!

Als nächstes muss ich mir noch überlegen, was für eine Hardwareausstattung mir gefallen würde. Die Arbeitsgruppe nutzt mehrheitlich die Laptops mit Leuchtlogos. Mit der Bedienung dieser Geräte habe ich bisher noch gar keine Erfahrung, also wäre es auch eine gute Gelegenheit, um etwas Neues kennenzulernen. Ich soll alle Komponenten selbst auswählen, nur externe Bildschirme gibt es über die Uni. Wer kann mich beraten?

Kommentar zu Zeros „Kleinigkeiten, die mich tierisch nerven (1)“

Ich dachte mehrere Jahre, Autofahren wäre ein Privileg von denen, die es sich leisten können und ein Luxus, bei dem man gar nicht anders könne, als ihn zu genießen. Nach zu vielen Autobahnkilometern und regelmäßigem Pendeln wurde ich eines Besseren belehrt und habe meine Meinung um 180 Grad geändert. Aus voller Überzeugung daher meine eindringliche Empfehlung an alle autofahrenden Leser: Wer es einrichten kann, sollte ebenfalls viele Strecken mit der Bahn zurücklegen… Dazu noch schnell ein paar logische Selbstverständlichkeiten:

(a) Die Gesamtmenge des Gepäcks ist aus Gründen der Bequemlichkeit begrenzt. Eine gute Planung hilft, unnötiges Hin- und Herschleppen zu umgehen.

(b) Freitags und sonntags kann es sehr voll werden. Ich meide diese Tage wie der Teufel das Weihwasser. Wer das nicht kann, muss sich was einfallen lassen oder in den sauren Apfel beißen.

(c) Preislich ist es besonders günstig, wenn man die niedrig frequentierten Uhrzeiten/Tage bucht und sich mindestens eine Woche im Voraus nach den verfügbaren Sparpreisen richtet. Da kommt kein Auto mit (Wertverlust, Unterhalt, Sprit).

Diese Pluspunkte gibts obendrauf:

– Wer nicht gerade zu den Stoßzeiten mit der Bahn unterwegs ist, sorgt für eine gleichmäßigere Auslastung der Züge bei unverändertem Gesamtenergieverbrauch. Das ist eine äußerst ökologische Art zu reisen!

– Für mich ist es das wichtigste Argument, dass sich die Fahrzeit prima zum Arbeiten oder Entspannen nutzen lässt. Im eigenen Auto dürfte das hingegen seltener klappen und schwieriger sein.

Jetzt noch im Einzelnen zu den Punkten aus Zeros Beitrag:
Ich sehe es genauso, dass besonders an den Wochenenden ausreichend Fahrer auf deutschen Autobahnen unterwegs sind, die durch kontinuierlich störendes Verkehrsverhalten auffallen.

Nehmen wir erst mal den notorischen Mittelspurfahrer: Perspektivübernahme scheint ihm ein Fremdwort zu sein. Die Interessen der übrigen Verkehrsteilnehmer sind aus seinen Gedankengängen ausgeschlossen. Mich würde interessieren, ob diese Egozentriertheit und Rücksichtslosigkeit wenigstens nur auf den Verkehr begrenzt ist. Der Mensch neigt leider grundsätzlich dazu, automatisierte Gewohnheiten kaum noch zu hinterfragen (obwohl er es könnte!). Das meiste Verständnis habe ich noch für Fahrer älteren Jahrgangs: Wer weiß, womöglich haben sie nie richtig gelernt, die rechte Spur zu benutzen! Aus dem einfachen Grund, dass es sie vor dreißig oder mehr Jahren noch gar nicht gab 😉

Bezüglich der nötigenden Verkehrsteilnehmer, die von hinten angerast kommen, gebe ich auch noch meinen Senf dazu: Es gibt doch im Wesentlichen zwei Motive fürs Schnellfahren:

– Zeitknappheit und
– Spaß.

Wer zum Wochenendverkehr aus Zeitknappheit schnell fährt, tut mir leid, weil es ziemlich stressig und gefährlich ist bei all den langsamereren Verkehrsteilnehmern, die sich regelmäßig hinsichtlich der Geschwindigkeit der Raser verschätzen oder denen es einfach egal ist, ob andere schneller als man selbst unterwegs sein wollen. Wer es regelmäßig eilig hat, sollte aus meiner Sicht andere Fahrzeiten wählen, ein anderes Verkehrsmittel oder aber sich mehr Zeit zugestehen.

Ich glaube, vielen macht es einfach Spaß, schnell zu fahren. Anders kann ich mir nicht erklären, warum Leute einen doppelt so hohen Spritverbrauch, mehr Verschleiß und höhere Risiken für 15 % Zeitersparnis in Kauf nehmen. Für diese Kosten bekäme man im Übrigen ein Zugticket in der ersten Klasse. Ich befürchte, dass diese Gruppe irgendwann nicht mehr vollständig zwischen Autofahren zur Wegstreckenbewältigung und Autofahren als Selbstzweck trennen kann. Wird ihnen der Spaß durch einen langsameren Verkehrsteilnehmer genommen, macht das wütend und man wird ihm nach Möglichkeit beweisen, dass man ein schnelles Auto fährt und diesem nervigen Schleicher hoffnungslos überlegen ist. Ich glaube, dass solche wenig intelligenten Gedankengänge gar nicht so abwegig sind, wie es wünschenswert wäre. Zudem kann es keinem Schnellfahrer schade, sich ab und an zu fragen, warum man sich das antun muss.

Zum Beispiel mit der Kolonne: Ich hätte an Deiner Stelle gewartet, bis Dich einer rein lässt. Es kommt auf ein paar Minuten einfach nicht an. Es gibt genug vernünftige Autofahrer, als dass man gezwungen ist, sich auf einen Konflikt mit den wenigen wirklich Bescheuerten einzulassen, nur um die Spur wechseln zu können.

Ich habe nie verstanden, warum im langsameren Verkehr alle auf der linken Spur fahren müssen und die rechte Spur bis auf wenige LKW alle paar KM völlig frei ist. In solchen Fällen bin ich immer rechts gefahren und wenn auf der linken Spur gebremst werden musste, rollt man auch schon mal an den Verkehrsteilnehmern dort vorbei. Dann bin ich vom Gas und habe mich wieder auf deren Tempo zurückfallen lassen. Straßenverkehr ist einfach kein Wettbewerb, sondern eine kollektive Veranstaltung mit dem gemeinsamen Ziel, sicher am Fahrtziel anzukommen. Alle sitzen in einem Boot…

Übrigens: Wenn ich im Spiegel rechtzeitig erkennen kann, dass sich ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit nähert, dann würde ich mit 130/140 nicht noch zum Überholen ansetzen, sondern mich langsam an den LKW heranrollen lassen. So viel Rücksicht sollte meiner Meinung nach selbstverständlich sein – schließlich ist nicht jeder Schnellfahrer ein drängelnder Raser. Ich habe selbst oft erlebt, dass sich langsamere Verkehrsteilnehmer hin und wieder enorm verschätzen bezüglich der Geschwindigkeit eines herannahenden Fahrzeugs. Hier sollte keiner auf seinem Recht bestehen bleiben, jederzeit links überholen zu dürfen, nur weil gerade ein LKW auftaucht.

Ein Freund von mir führt nebenbei erwähnt gerade eine zum Thema passende Studie durch, in der untersucht wird, ob ein Selbstkonzept als guter und sicherer Fahrer und eine Präferenz von höheren Geschwindigkeiten mit dem Auftreten von Unfällen und drängelnden Verhaltensweisen assoziiert ist. Als eines der Messverfahren kommt der Implizite Assoziationstest zum Einsatz, mit dem ich selbst auch viel arbeite. Es wird also spannend, was dabei herauskommt 🙂