Der sichere Drittstaat

In der Flüchtlingsdiskussion wurden eigentlich alle Argumente und Scheinargumente mehrfach ausgetauscht. Es gibt nichts neues mehr zu sagen, die Fakten liegen auf dem Tisch und jeder, der mit dem Internet umgehen kann und des Lesens mächtig ist, kann sich informieren.
Dennoch tauchen neben den (fast immer gefälschten) Schreckensbotschaften auch immer wieder neue Themenkomplexe auf und neue Fragen stellen sich. Die meisten hinterfragen dabei kritisch die Intention der Flüchtlinge, statt die Fluchtursachen unter die Lupe zu nehmen.

Ganz aktuell höre ich diese und sehr ähnliche Fragen häufig:
„Warum kommen die Flüchtlinge den weiten Weg nach Deutschland und überschreiten dabei so viele Grenzen und durchqueren so viele ´sichere Drittstaaten´?“

Zur Beantwortung der Frage muss man sich den Weg der Flucht genauer anschauen. Die Fluchtrouten unterscheiden sich selbstverständlich. Je nachdem aus welchem Staat geflohen wird, nimmt die Route einen anderen Verlauf. Hier möchte ich auf diverse Reportagen verweisen, die Fluchtrouten genau beschreiben und auch die Probleme benennen, die es in den Ländern gibt, die auf der Flucht durchquert werden. Ich werde die Antwort darauf also recht knapp herunterbrechen: Der Umgang mit Flüchtlingen in den durchquerten Ländern ist im Regelfall schlecht.

Ich führe dies gern anhand einiger Beispiele präziser aus:

Beispiel Türkei: Die Türkei hat bisher circa 2 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Überhaupt ist die Türkei der Staat, der die meisten Flüchtlinge weltweit aufnimmt. Die Bevölkerung verhielt sich in der Vergangenheit dabei sehr gastfreundlich gegenüber den Asylsuchenden. Allein zahlen kann oder will die türkische Regierung den Flüchtlingen wenig bis gar nichts und unterbringen kann sie die große Zahl an Menschen auch nicht adäquat. Leider hat sich auch der Umgang in den letzten Monaten ebenfalls etwas verschlechtert. Das wurde mir persönlich zumindest von syrischen Flüchtlingen berichtet. Die Situation in der Türkei verschlechtert sich Zusehens. Ein gutes Interview zur Flüchtlingsarbeit findet man hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-syrische-fluechtlinge-gehoeren-dazu-a-1048731.html

Beispiel Griechenland: Das Griechenland im Moment selbst in einer Krisensituation steckt, dürfte jedem bewusst sein. Dazu kommt, dass die meisten Flüchtlinge auf verschiedenen griechischen Inseln zum ersten Mal die EU erreichen. Damit ist formal Griechenland für das Asylverfahren zuständig, wenn die Flüchtlinge registriert würden. Es mangelt auf den Inseln an allem: Unterkunft, Nahrung, sauberes Wasser. Die Lage ist dramatisch. Es droht Obdachlosigkeit und Hunger. Eine kurze Übersicht über die inhumane Situation findet man hier: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-07/griechenland-fluechtlinge-krise

Pixeld

Beispiel Mazedonien: Mazedonien hat in der Vergangenheit und in der Gegenwart viel mitgemacht. Ganz aktuell nennt es die Bundesregierung ein „sicheres Herkunftsland“. Dies ist Mazedonien mitnichten. Abgesehen davon, dass Flüchtlinge in Mazedonien mit Haft und Gewalt rechnen müssen (siehe hierzu: http://www.sueddeutsche.de/politik/grenze-zu-griechenland-mazedonien-feuert-traenengas-auf-fluechtlinge-1.2616214), hat es ganz eigene Probleme und möchte die Flüchtlinge lediglich so schnell wie möglich wieder loswerden. Im ehemaligen Musterland auf dem Balkan schwellt ein möglicher Bürgerkrieg. Bis heute hat die albanische Minderheit (25% der Bevölkerung) mit Menschenrechtsverletzungen zu kämpfen. Seit die rechtsnationalistische Partei VMRO-DPMNE an der Macht ist, hat sich die Situation um Korruption und Wahlungereimtheiten verschärft und das Land entwickelt sich langsam zu einer Diktatur. Zudem hat Mazedonien eine der schwächsten Volkswirtschaften in Europa und viele Mazedonier sind selbst von dort geflohen. Mehr Informationen findet man z.B. hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/mazedonien-europas-naechster-krisenstaat-a-1034413.html

Beispiel Ungarn: Selbst Menschen, die sich in den letzten Wochen wenig mit der Flüchtlingsdebatte beschäftigt haben, dürften bemerkt haben wie Ungarn zu den Asylsuchenden steht. Der Staatschef Viktor Orbán möchte keine Flüchtlinge aufnehmen. Den Refugees dort droht sofortige Ausweisung, Gewalt und Haft. Dabei wird in Kauf genommen, dass die Genfer Flüchtlingskonvention verletzt wird. Es gibt kein richtiges Asylverfahren und es waren auch schon Arbeitslager im Gespräch. Orbán selbst hetzt beispiellos unter den europäischen Spitzenpolitikern gegen alle Flüchtlinge. Der Bau des Grenzzauns war wohl der vorläufige Höhepunkt im Kampf gegen „illegale Grenzüberschreitungen“. Das Leid der Flüchtlinge wird damit vergrößert, die Reise anstrengender und klar ist auch: In Ungarn können die Menschen nicht bleiben. Mehr Informationen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-urteilt-fluechtlinge-im-schnellverfahren-ab-a-1055892.html und http://www.pesterlloyd.net/html/1509fluechtlingspolitik.html

Beispiel Österreich: Österreich nahm in den letzten Monaten selbst sehr viele Flüchtlinge auf. Mehr als Deutschland im Vergleich zur Bevölkerungszahl. Gleichzeitig versucht es sich aber auch unattraktiv für Refugees zu machen und lehnt eine Verteilungsquote in der EU ab. Es ist froh, nur Durchgangs- aber kaum mehr Zielland der Flüchtlinge zu sein (http://www.tagesspiegel.de/politik/fluechtlinge-warum-fast-niemand-in-oesterreich-bleiben-will/12298672.html). Hauptsächlich syrische Flüchtlinge wollen durch Österreich nach Deutschland gelangen. Das liegt zum einen an der Empathiewelle, die von Deutschland ausging, aber auch von der deutlichen höheren Anerkennungsquote Deutschlands und der Möglichkeit deutlich früher Arbeit suchen zu können.

Auf einen letzten Punkt: Niemand verlässt freiwillig seine Heimat. Würden Sie Deutschland verlassen, weil Sie wissen oder vermuten, in Land XYZ bekommt man 100 Euro mehr Sozialhilfe? Selbst wenn die Lebenshaltungskosten die gleichen wären? Familie, Freunde, Partner, Bekannte zurücklassen in der Hoffnung auf ein winziges bisschen mehr Wohlstand?

Und ja: Die Flüchtlinge wissen, dass Deutschland und Schweden einen positiven Umgang suchen. Und ja: Ein Teil der Menschen möchte in diese Länder. Aber wollen wir lieber in einem Land leben, dass von anderen als erstrebenswert und hilfsbereit angesehen wird oder in einem Land, das als unfreundlich, abweisend und kalt gilt? Ich für meinen Teil habe meine Entscheidung schon lange getroffen.

Z

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Willkommenskultur – ein Kommentar

Aktuell erleben wir in Europa und speziell in Deutschland und Schweden eine neue Zeit. Umbrüche und Veränderungen hat es in der Vergangenheit immer gegeben. Mal waren diese von guter und mal von schlechter Natur. Zu Beginn eines Umbruchs ist eigentlich nie klar, ob dieser sich positiv oder negativ entwickeln wird. Genau an dieser Stelle soll „Willkommenskultur“ ansetzen und greifen. Nicht das, was wir aktuell erleben, wird uns verändern, sondern die Art wie wir darauf reagieren und wie wir damit umgehen.

Seit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung kann ich mich an keine politische Phase erinnern, die mich so bewegt hat. Ich finde, dass wir als Gesellschaft an einem Wendepunkt stehen. Unsere Aufgabe ist es, Solidarität mit den Opfern von Wirtschafts- und Kriegspolitik zu zeigen und die Politik in die Pflicht zu nehmen! Das wird unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. Es eröffnet sich eine historische Chance für Deutschland und Europa. Die Frage ist: Wollen wir uns abschotten und Grenzen dicht machen oder uns öffnen für Menschen, die Chancen suchen? Wir verschenken vermutlich unfassbares Potential, wenn wir die Politik weiter so agieren lassen, dass Grenzen geschlossen und Menschen in Not abgewiesen werden.

Ohne eine Politik, die diese Willkommenskultur nachhaltig unterstützt, wird sie nicht stattfinden können. Es ist daher unbedingt Aufgabe der Politikerinnen und Politiker in Deutschland und Europa für ein offenes, faires, freies und sicheres Europa einzutreten. Und es ist unsere Aufgabe als Zivilbevölkerung dies von unseren Volksvertretern zu fordern und positiven Druck auszuüben um eine solche Willkommenskultur zu erreichen.

Zero

Über die Unkultur des Facebookkommentars

Bisweilen kommt es vor, dass mich über Inhalt oder Art eines Zeitungsartikels so ärgere, dass ich ihn auf Facebook kommentiere. Diese Tatsache allein ist schon schlimm genug und sagt vermutlich mehr über mich aus, als der gleich folgende Beitrag.

Wenn ich nicht in der Überschrift schon die Richtung dieses Beitrags bestimmt hätte, könnte ich an dieser Stelle noch viele verschiedene Wege einschlagen. Zum Beispiel über Sinn und Unsinn von Leserkommentaren. Oder ich könnte erörtern wohin es führt, dass Zeitungen mittlerweile ihre Schlagzeilen so produzieren, dass möglichst viel kommentiert und gestritten wird. Früher überließ man diesen Bereich rein dem Boulevard, aber davon sind wir längst abgekommen. Doch wie gesagt: Anderes Thema.

In letzter Zeit hab ich etwas öfter an lebhaften „Diskussionen“ teilgenommen. Nicht erst jetzt ist mir dabei aufgefallen, dass es immer wieder vorkommt, dass Menschen Artikel kommentieren ohne ihn überhaupt gelesen zu haben oder aber einfach nur Desinteresse ausdrücken wollten.

Da man dieses Phänomen gewöhnt ist, stört es mich eigentlich auch nicht weiter. Allerdings empfand ich es heute bei diversen Artikeln (z.B. hier und hier) zum Urteil des Bundesarbeitsgerichts, dass sexuelle Belästigung nicht sofort ein Kündigungsgrund ist. Viele Kommentare dazu waren völlig unreflektiert und scheinbar ohne jedes Nachdenken entstanden. Bei vielen war offensichtlich, dass überhaupt kein Artikel zur Überschrift gelesen wurde. Gut zu beobachten war auch, dass es bei der ZEIT deutlich weniger schlechte Kommentare gab, als bei der Thüringer Allgemeinen. Das mag an der Leserschaft, vielleicht aber auch an der Art der Überschriftengestaltung liegen. Bei der TA wird es vor allem in den Überschriften immer deutlicher wohin die Reise geht. Nämlich weg vom ernsthaften Journalismus. Aber ich schweife ab.

Die Kommentare jedenfalls waren wie üblich breit gefächert vom fast schon obligatorischen „Schwanz ab“ über „Tritt ihm in die Nüsse“ bis hin zu harmloseren Sätzen wie „Das macht Frauen zu Freiwild.“ und „Das geht garnicht, Belästigung ist Belästigung egal wie finde ich“ [sic]. Allein der Nachrichtenwert dieser Meldung ist meines Erachtens schon fragwürdig. Es handelt sich um eine Einzelfallentscheidung. Die Frau hat den Mann nicht angezeigt oder seine Entlassung gefordert. Es handelt sich um Arbeits- und nicht um Strafrecht. Insgesamt scheint der Täter extreme Reue zu zeigen. Klar muss aber auch sein: Natürlich geht so ein Verhalten nicht in Ordnung! Und genau das wusste der Kläger ja auch. Ich frage mich sogar wie man überhaupt auf die Idee kommen kann einer Frau beim ersten Kennenlernen irgendwo hinzufassen. Geht für mich persönlich überhaupt nicht in Ordnung und widerstrebt mir total. Daher würde ich auch jede Frau verstehen, die daraufhin verlangt, dass der Mitarbeiter gekündigt wird. Genau das ist hier nicht geschehen. Dennoch kann natürlich jeder diesen Sachverhalt für sich bewerten und auch dazu seine Meinung kundtun. Aber doch bitte nicht so völlig unreflektiert und wenig zielführend. Einfach mal die paar Zeilen im Artikel lesen und vielleicht, nur vielleicht, hat man das eine ganz andere Meinung zum Sachverhalt. Wäre doch möglich?

Bei der TA haben die Kommentare dann sogar zu diesem Machwerk an journalistischer Kunst geführt: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Das-Busenarbeitsgericht-macht-die-Damen-zum-Freiwild-Heftige-Diskussionen-zu-1028701691#.VNpAIm06H8w.facebook

Man beachte das „Symbolbild“ und versuche dann noch der TA keinen Sexismus vorzuwerfen. Moralkeule + Titten = Klicks. Schade, dass wir Menschen so einfach ticken.

Zum Schluss gibt es hier mal ein paar einfache Schlagwörter, die in der Überschrift platziert völlig ausreichen um sinnlose, oft menschenverachtende Kommentare zu provozieren: Asyl, Islam/Muslim, Pegida, Hund, Kinder, Mindestlohn, Ukraine, Putin.

Wie auch immer, bis die Tage

Zero

Überdurchschnittlich gut situierte Konfessionslose marschieren gegen die Ausbeutung des Sozialsystems und für christliche Werte*

So könnten die Ergebnisse der Studie der TU Dresden zusammengefasst werden, die gerade in Bezug auf die PEGIDA-Demonstrationen bzw. deren Besucher veröffentlicht wurde. Gestern hatte ich mir vorgenommen, dazu einen längeren Beitrag zu schreiben und die Studie etwas „auseinander zunehmen“.

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

Mittlerweile sind mir einige Blogger zuvorgekommen. Diese können das deutlich besser als ich. Von daher werde ich nun auf diese Beiträge, die gut geschrieben und schnell lesbar sind, verweisen.

Sowohl Stefan Niggemeier, als auch Christian Reinboth haben sich der Studie angenommen und die Methodik hinterfragt. Ihre Beiträge findet ihr hier: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20210/studie-ueber-pegida-demonstranten-zeigt-pegida-demonstranten-lehnen-teilnahme-an-studie-ab/
und hier: http://scienceblogs.de/frischer-wind/2015/01/14/was-verraet-uns-die-aktuelle-studie-der-tu-dresden-ueber-den-typischen-pegida-demonstranten/

Die Beiträge fassen im Prinzip alles zusammen, was auch ich dazu zu sagen gehabt hätte. Ich verweise aber noch einmal gern auf meine vorangegangen Beiträge zu dem Thema: INDIANDER!!! und Positionspapieraments. Viel Spaß beim Lesen.

Zero

*Die Überschrift zitiert einen Facebookkommentar von Toni Quick. Der Autor bedankt sich für die Inspiration.

Positionspapieraments

Wann immer ich Kommentare zu PEGIDA-Artikeln lese, kommt fast zu 100% die Rechtfertigung: Wir sind keine Nazis, guckt doch mal unser Positionspapier an. Also werden wir das heute mal tun.

Hier kommt also (fett gedruckt) das tolle Positionspapier von Pegida. Darunter lest ihr was damit meines Erachtens gemeint ist bzw. was meines Erachtens die Realität auf den Demos widerspiegelt.

1. Pegida ist für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!

Gleichzeitig ist die Aufnahme auch ein Menschenrecht. Wie ernst es die Teilnehmer mit Differenzierungen nehmen, sehen wir an dem Beispiel aus dem letzten Blogbeitrag. Die Pegida-Macher wissen wohl auch aus der Vergangenheit, dass Deutsche ebenfalls vor Krieg oder politischer Verfolgung fliehen mussten. Länder wie Argentinien und Bolivien können davon ein Lied singen.

Davon abgesehen impliziert der Punkt, dass die meisten Flüchtlinge „Wirtschaftsflüchtlinge“ sind. Das ist erstens falsch und zweitens kann man auch diesen nicht verdenken für sich ein besseres Leben zu suchen.

2. Pegida ist für die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!

Was geschieht mit anerkannten Flüchtlingen, die die wie auch immer geartete Integrationspflicht nicht erfüllen? Wie soll diese Pflicht aussehen? Wann ist man integriert? Kann man auch als Deutscher nicht integriert sein? Oder gibt es dann keine Pflicht? Lest dazu auch gern meinen Beitrag aus dem vorletzten Jahr: https://blogade12.wordpress.com/2013/02/06/warum-ich-nicht-integriert-bin/

3. Pegida ist für dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen!

Die dezentrale Unterbringung findet bereits teilweise statt. Fraglich ist, ob diese überhaupt sinnvoll ist. Einer Solidarisierung unter den Flüchtlingen wird damit jedenfalls ein Riegel vorgeschoben. Infrastruktur fehlt oft. Für Asylbewerber, die nur auf sich und die Mitarbeiter der Kommune angewiesen sind, ergeben sich oft schwerwiegende Probleme. Organisationen zur Unterstützung von Flüchtlingen sind oft nicht dezentral.

4. Pegida ist für einen gesamteuropäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und eine gerechte Verteilung auf die Schultern aller EU-Mitgliedsstaaten! (Zentrale Erfassungsbehörde für Flüchtlinge, welche dann ähnlich dem innerdeutschen, Königsteiner Schlüssel die Flüchtlinge auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt)

Ich habe keinerlei Probleme mit dieser Forderung. Auf Grund der Drittstaatenregelung wird in Deutschland vermehrt abgeschoben. Diese Abschiebung würde damit verhindert werden. Wirtschaftskraft und Bevölkerungsgröße sind natürlich einzuberechnen.

5. Pegida ist für eine Senkung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende (Anzahl Flüchtlinge je Sozialarbeiter/Betreuer – derzeit ca. 200:1, faktisch keine Betreuung der teils traumatisierten Menschen)

Damit gehe ich konform.

6. Pegida ist für ein Asylantragsverfahren in Anlehnung an das holländische bzw. Schweizer Modell und bis zur Einführung dessen, für eine Aufstockung der Mittel für das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) um die Verfahrensdauer der Antragstellung und Bearbeitung massiv zu kürzen und eine schnellere Integration zu ermöglichen!

Im Prinzip wird hier nur eine schnellere Abschiebung gefordert. Nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen kann aber gegen eine Abschiebung Rechtsmittel eingelegt werden, wodurch eine Abschiebung zunächst nicht möglich ist. Natürlich soll ein Asylantrag so zügig wie möglich bearbeitet werden.

7. Pegida ist für die Aufstockung der Mittel für die Polizei und gegen den Stellenabbau bei selbiger!

Pegida fordert mehr Polizei. Dazu kann man geteilter Meinung sein. Ich habe dazu keine Meinung.

8. Pegida ist für die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung!

Pegida verlangt so viele Abschiebungen wie nur irgend möglich.

9. Pegida ist für eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!

Nur für Deutsche soll es eine zweite Chance geben (oder dritte oder vierte, gelle Herr Bachmann). Der Ausländer ist von Prinzip aus anders als der Deutsche, denn er ist ja Ausländer (so in etwa AfD-Gauland im MoMa-Interview).

Der neunte Punkt ist einer der ekelhaftesten.

10. Pegida ist für den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!

Pegida ist wohlgemerkt nicht gegen Frauenfeindlichkeit oder Gewalt. Sondern nur gegen Muslime, die frauenfeindlich oder gewaltbereit sind. Warum sonst dieses „aber“?

11. Pegida ist für eine Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas oder Südafrikas!

Wenn man die Schweiz gern imitieren möchte, sollten erstmal 25% der Bevölkerung Ausländer oder Migranten sein. Ach nee, es droht ja eine krasse Islamisierung, schon bei 5% Muslimen in Deutschland bzw. man fühlt sich fremd im eigenen Land bei circa 10% Ausländeranteil.

12. Pegida ist für sexuelle Selbstbestimmung!

Wer nicht? Wir haben sexuelle Selbstbestimmung in Deutschland. Wer dagegen verstößt, macht sich strafbar.

13. Pegida ist für die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!

Wie sieht diese Kultur aus? Abendland? Wo haben sie diesen Begriff denn ausgegraben?
Christen? Im atheistischen Sachsen gibt es jetzt wirklich nicht so viele *praktizierende* Christen.
Juden? Menschen mit Israel-Flagge wurden übrigens auf der Demonstration erst bedroht, dann von den Ordnern verwiesen. Nachzulesen hier: https://egoteaist.wordpress.com/2014/12/23/pegida-ein-erfahrungsbericht/

14. Pegida ist für die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz!

Hierzu Ausführungen zu machen, würden den Rahmen sprengen. Die Forderungen ist in jedem Fall okay, auch wenn man anderer Meinung ist.
Wie die Anhänger in den sozialen Netzwerken das sehen, sieht man sehr schön an diesem Beispiel:

PeGiDa

Leider kam von ihm daraufhin keinerlei Reaktion.

15. Pegida ist gegen Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z.B. PKK

Das ist meines Erachtens unterstützenswert.

16. Pegida ist gegen das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.

Der Punkt impliziert wir hätten Sharia-Gerichte in Deutschland. Dies ist mitnichten der Fall.

17. Pegida ist gegen dieses wahnwitzige „Gender Mainstreaming“, auch oft „Genderisierung“ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!

Frauen dürfen in der Sprache und damit schließlich auch in Gedanken weiterhin unterdrückt werden.

18. Pegida ist gegen Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert!

Wird aber deutschlandweit von Radikalen organisiert und besucht.

19. Pegida ist gegen Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig!

Politische Hassprediger (zu finden in der Spitze von Pegida) sind allerdings willkommen. Wenn es geht Atheisten.

Die allermeisten Punkte sind hohle Phrasen, dazwischen immer wieder etwas Fremdenhass. Auf den Demos kommen dann auch noch das „Lügenpresse“-Geschrei dazu und anderer unflätiger Unsinn.

Mitmenschlichkeit sucht man vergebens in diesem Pamphlet und wird es auch definitiv nicht bei den Demonstrationen finden.

Ihr könnt gern eure Meinung in den Kommentaren niederschreiben.

Beachtet auch meinen letzten Beitrag zum gleichen Thema: https://blogade12.wordpress.com/2015/01/04/indianer/

#JeSuisCharlie
Zero

INDIANER!!!

Pegidianer, Pegidenser, Pegidisten, Pegidioten, Pegidasen,

wie auch immer man diese Art „Volksgruppe“ nennen will: Was wollen die eigentlich?
Ich habe sehr lange überlegt, ob ich zu dieser aktuellen Erscheinung, die aus der angeblichen Mitte der Gesellschaft kommen soll, etwas in Form eines Blogeintrages sagen soll. Dann habe ich mich dagegen entschieden. Es wird seitens diverser Medien mehr als genug über diese Proteste geschrieben, gesprochen und erbrochen.
Eine langseitige Stellungnahme wie ich zu den Leuten stehe, erübrigt sich eigentlich. Eine Freundin von mir lebt mit ihrem Freund in Dresden. Ich habe Sie kurz vor Weihnachten gefragt, was sie von den Leuten bei Pegida hält. Ich mach es kurz: Nicht viel. Ich mache es so kurz, weil sie mir die Aufeinandertreffen mit den Pegidianern auch nur kurz beschrieb, aber sie verwendete härtere Worte.

Bei der letzten Demonstration kam es im Nachhinein dann auch zu folgenden unschönen Szenen:

http://ausserkontrolle.blogsport.de/2014/12/28/interview-hetzjagd-auf-migranten-in-dresden-2/

Das Interview kann man nur als erschreckend bezeichnen. Welche Lösung gibt es für diese Jugendlichen? Montags nicht mehr rausgehen ist eine Möglichkeit. Die vernünftigste. Aber wohl nicht die langfristigste… Die Wahrscheinlichkeit, dass ebenfalls eine Bewaffnung stattfinden wird, ist höher. Die Eskalation ist kurz vor der höchsten Stufe. Diese Bewegung ist brandgefährlich.

Es ist purer Hass, gemischt mit Dummheit, der einem auch in den ungeschnittenen Interviews durch die „System-/Lügenpresse“ entgegenschlägt:

Teil 1: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/PEGIDA-ROH-2,panorama5344.html

Teil 2: http://www.spinnert.de/17365-pegida-die-interviews-in-voller-laenge-teil-2-2.html

Im Nachgang stellte sich noch raus, dass einer der Interviewten (der junge Mann, der halbwegs geradeaus sprechen konnte) RTL-Mitarbeiter war. Richtig dumme Sache und peinlich für RTL und den Mitarbeiter. Und gefundenes Fressen für Pegida-Anführer Bachmann, der sogleich diesen Fehler als Aufmacher nutze. Natürlich verschwieg er dabei, dass der Zwischenfall von den „Systemmedien“ aufgeklärt wurde.

Im Allgemeinen herrscht derzeit eine beängstigende Stimmung in Dresden. Die Zeit der großen Nazidemos schien vorbei. Mölln und Hoyerswerda gerieten langsam in Vergessenheit bei der breiten Bevölkerung. Genau da setzt Pegida an. Die geistigen Brandstifter dieser Bewegung finden sich dann freilich doch bei den Medien, B1LD, RTL und andere haben oft genug mit verdrehten Berichten und Zeitungsenten das Feuer angefacht. Genau das ist auch das Perfide an PEGIDA. Mit den Medien soll nicht geredet werden und man glaubt deren Berichterstattung nicht mehr. Auf der anderen Seite werden Falschmeldungen von Hetzblättern und ominösen Internetseiten, wie PI-News, dem Kopp-Verlag oder Ken Jebsen aber für bare Münze genommen. Die Pegidenten fordern UNS zum Nachdenken auf und merken dabei nicht, dass sie selbst nicht nachdenken.

Einige dieser Falschmeldungen habe ich hier einmal aufgeführt:

Christen sollen an Weihnachten muslimische Lieder singen? http://www.bildblog.de/62469/vom-untergang-des-abendlandes-kann-bild-ein-liedchen-singen/ FALSCH

Weihnachtsmärkte in Berlin verboten? http://www.mimikama.at/allgemein/aufregung-um-weihnachtsverbot/ FALSCH

Weihnachten wird allgemein verboten? http://www.welt.de/politik/ausland/article5794280/Das-Maerchen-vom-Muslim-der-Weihnachten-stiehlt.html FALSCH

Islam-Rabatt für Angeklagte? http://www.bildblog.de/56074/die-bild-theorie-vom-islam-rabatt-2/ FALSCH

Kein St.Martins-Umzug mehr? http://www.bad-homburg.de/rathaus/aktuelles/pressemeldungen.php?showpm=true&pmurl=http://www.bad-homburg.de/guiapplications/newsdesk/publications/Bad_Homburg_v._d._Hoehe/176010100000019266.php FALSCH

Grüß-Gott-Verbot? http://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/baden-wuerttemberg-bleibt-beim-gruess-gott/?type=98&cHash=77a0719fb52341859768716c404c7d2e&print=1 FALSCH

Ich könnte hier noch ne ganze Weile so weitermachen. Die Falschmeldungen der letzten Monate und Jahre sitzen fest in den Köpfen dieser Menschen. Man bemerkt dies daran, dass etliche dieser Falschmeldungen von Anhängern PEGIDAs immer noch wiederholt werden.

Feststellen kann man: Die „Patrioten“ sind nicht gegen den IS, sondern gegen Flüchtlinge und Ausländer im Allgemeinen. Sie ignorieren Fakten und verhalten sich äußert egoistisch. Mit Nazis wollen sie aber nicht verwechselt werden. Sie sind auch zum Großteil keine. Der Rassismus ist in Deutschland immer noch stark in der Gesellschaft verwurzelt. Leider.

Der twitternde „Gott“ hat da schon ein wenig Recht:

Hier steht Gottes Wort

Nun habe ich doch was dazu geschrieben. Hier stehe ich, ich kann nicht anders.
Ich hoffe 2015 wird wieder besser.

Zero

PS: Aus Gründen der Zeitknappheit wurde auf ein Lektorat verzichtet. Rechtschreibfehler dürfen daher gern gemeldet, oder aber behalten werden.

Auch mir platzt mal der Kragen

Wie konform muss ich eigentlich sein? Ich muss am 26.12. nicht mit in ein Brauhaus gehen, das ein einziges vegetarisches Gericht auf der Karte hat (Penne „Rigatte“, also mit Feta) und meiner Mutter am Telefon sagt, meine Ernährungswünsche seien mein Problem. Dabei wollte sie nur wissen, was denn vom Buffet vegan sein würde. Das wisse man noch nicht. Die Salate vielleicht. Nur nebenbei bemerkt: Das ist nicht der Normallfall. Ich habe schon die tollsten Restaurants kennengelernt, in denen sich ein zuvorkommender Service gut mit der Küche abgestimmt hat und ich satt und zufrieden gegangen bin.

ActivismIsTheRentIPayForLivingOnThisPlanetJetzt stelle ich mir die Frage, ob ich meiner Familie beim Fleischessen zusehen möchte, in einem Brauhaus, das nichts anderes kann, als totes Tier und Produkte aus dessen Muttermilch zuzubereiten. Nachdem ich heute schon mit am Tisch sitzen darf, wenn ein anderer Teil der Familie eine Pute verspeist. Bisher wäre es für mich unvorstellbar gewesen, bei Weihnachtstreffen mit der Familie zu fehlen. Das hat sich eben geändert. Ich muss gar nichts. Und schon gar nicht gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn sich meine Familie genüsslich Unmengen von Fleisch reinzieht. Was zum Fest der Liebe gegessen werden wird, sind Leichenteile, die von Tieren stammen, die kaltblütig getötet wurden für nichts als den Genuss von Menschen. Die gefüttert wurden mit Futter, ob lokal angebaut oder importiert, für das die Mastbetriebe höhere Preise bezahlen können, als manche Menschen, die sich dieses „Futter“ nun nicht mehr leisten können, obwohl es bisher ihr Grundnahrungsmittel gewesen ist. Futter, das auf Flächen angebaut wurde, die schon längst nicht mehr unseren Bedarf decken und ohne Rücksicht auf Natur oder lokale Bevölkerungen ständig ausgeweitet werden. Futter, mit dem hunderte Milliarden Tiere gefüttert werden, die Unmengen an Treibhausgasen ausstoßen und oft ganz furchtbare Qualen erleiden müssen.

50percentOfRainForestIn1MinuteFuer1KGRindfleisch chooseyourteam Afrikaner_FingerWegVomTierfutterCowsNeverDieOfHungerTiereEssenKinderHungern DritteWeltMehrGebenWenigerStehlenGreenhouseGasesDontBelieveInGlobalWarming

Nein, davon muss ich kein Zeuge werden. Ich lasse viel über mich ergehen und halte oft den Mund, wo ich mich innerlich nur frage, was hier eigentlich gerade geschieht. Aber ich muss nicht alles mitmachen. Ich komme mir immer so vor, als müsste ich aufspringen, losschreien, die Leute wachrütteln. Als würde ich mich mitschuldig machen, wenn ich schweige. Aber ich kenne auch die Leute. Ich war ja selber so, bis vor Kurzem. Was mich dann verändert hat, war beides. Schweigende Vorbilder und mutige Rebell*innen.

Toleranz_wird_zum_Verbrechen_wenn_sie_dem_Bösen_giltVeganismJustAPersonalChoice

In der Geschichte der Menschheit kam es immer wieder vor, dass ganze Völker sich derart brutal und unfair verhalten haben, dass wir uns heute fragen, wie das geschehen konnte. Hält es außer mir noch jemand für möglich, dass wir uns in 75 Jahren dasselbe in Bezug auf den heutigen Umgang mit Tieren fragen werden? Wer will freiwillig weiterhin Teil von diesem mensch- und tierverachtenden System bleiben? Wer will sich mitschuldig machen, Blut an den Händen haben? Der Ausstieg ist so einfach. Nicht alles vegane Essen schmeckt beim ersten Mal. Manchmal braucht man etwas Ausdauer, und Experimentierfreude sowieso. Aber soll das ernsthaft ein Hindernis sein? Ich schwöre, es gab für mich keine lohnendere Entscheidung, als diese, die mich mein Leben lang glücklich machen wird.

LeonardoDaVinci

Wie konform muss ich eigentlich sein? Überhaupt nicht. Trotzdem bin ich gesellschaftlich bestens integriert. Ich verstehe, dass es nicht allen so geht und kann dann die Vorgehensweise empfehlen, nicht alle weltanschaulichen Gesinnungen offen erkennbar zu geben, sondern den richtigen Moment und das passende Gegenüber abzuwarten.

ZitatMartinLutherKing_OurLivesBeginToEndWhenWeBecomeSilentAboutThingsThatMatter

Übrigens: Falls jemand tatsächlich ernstgemeinte und stichhaltige Argumente gegen die vegane Lebensweise kennt und diese freiwillig mit mir besprechen würde, möge diese Person sie bitte in den Kommentaren posten. Ich mache dann einen neuen Thread auf, in den die Argumente eingefügt werden. Ich weiß nicht alle Fakten auswendig und kann nicht alles spontan erklären, aber mir ist es noch nicht untergekommen, mit überzeugenden und unwiderlegbaren Argumenten gegen die vegane Lebensweise konfrontiert zu sein. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Ich bin ein Freund des konstruktiven und sachlichen Austauschs.

DeinKassenbonIstEinStimmzettelIn diesem Sinne … fröhliche tierleidfreie Weihnachten!

Chris

Weihnachtsgans