Über die Unkultur des Facebookkommentars

Bisweilen kommt es vor, dass mich über Inhalt oder Art eines Zeitungsartikels so ärgere, dass ich ihn auf Facebook kommentiere. Diese Tatsache allein ist schon schlimm genug und sagt vermutlich mehr über mich aus, als der gleich folgende Beitrag.

Wenn ich nicht in der Überschrift schon die Richtung dieses Beitrags bestimmt hätte, könnte ich an dieser Stelle noch viele verschiedene Wege einschlagen. Zum Beispiel über Sinn und Unsinn von Leserkommentaren. Oder ich könnte erörtern wohin es führt, dass Zeitungen mittlerweile ihre Schlagzeilen so produzieren, dass möglichst viel kommentiert und gestritten wird. Früher überließ man diesen Bereich rein dem Boulevard, aber davon sind wir längst abgekommen. Doch wie gesagt: Anderes Thema.

In letzter Zeit hab ich etwas öfter an lebhaften „Diskussionen“ teilgenommen. Nicht erst jetzt ist mir dabei aufgefallen, dass es immer wieder vorkommt, dass Menschen Artikel kommentieren ohne ihn überhaupt gelesen zu haben oder aber einfach nur Desinteresse ausdrücken wollten.

Da man dieses Phänomen gewöhnt ist, stört es mich eigentlich auch nicht weiter. Allerdings empfand ich es heute bei diversen Artikeln (z.B. hier und hier) zum Urteil des Bundesarbeitsgerichts, dass sexuelle Belästigung nicht sofort ein Kündigungsgrund ist. Viele Kommentare dazu waren völlig unreflektiert und scheinbar ohne jedes Nachdenken entstanden. Bei vielen war offensichtlich, dass überhaupt kein Artikel zur Überschrift gelesen wurde. Gut zu beobachten war auch, dass es bei der ZEIT deutlich weniger schlechte Kommentare gab, als bei der Thüringer Allgemeinen. Das mag an der Leserschaft, vielleicht aber auch an der Art der Überschriftengestaltung liegen. Bei der TA wird es vor allem in den Überschriften immer deutlicher wohin die Reise geht. Nämlich weg vom ernsthaften Journalismus. Aber ich schweife ab.

Die Kommentare jedenfalls waren wie üblich breit gefächert vom fast schon obligatorischen „Schwanz ab“ über „Tritt ihm in die Nüsse“ bis hin zu harmloseren Sätzen wie „Das macht Frauen zu Freiwild.“ und „Das geht garnicht, Belästigung ist Belästigung egal wie finde ich“ [sic]. Allein der Nachrichtenwert dieser Meldung ist meines Erachtens schon fragwürdig. Es handelt sich um eine Einzelfallentscheidung. Die Frau hat den Mann nicht angezeigt oder seine Entlassung gefordert. Es handelt sich um Arbeits- und nicht um Strafrecht. Insgesamt scheint der Täter extreme Reue zu zeigen. Klar muss aber auch sein: Natürlich geht so ein Verhalten nicht in Ordnung! Und genau das wusste der Kläger ja auch. Ich frage mich sogar wie man überhaupt auf die Idee kommen kann einer Frau beim ersten Kennenlernen irgendwo hinzufassen. Geht für mich persönlich überhaupt nicht in Ordnung und widerstrebt mir total. Daher würde ich auch jede Frau verstehen, die daraufhin verlangt, dass der Mitarbeiter gekündigt wird. Genau das ist hier nicht geschehen. Dennoch kann natürlich jeder diesen Sachverhalt für sich bewerten und auch dazu seine Meinung kundtun. Aber doch bitte nicht so völlig unreflektiert und wenig zielführend. Einfach mal die paar Zeilen im Artikel lesen und vielleicht, nur vielleicht, hat man das eine ganz andere Meinung zum Sachverhalt. Wäre doch möglich?

Bei der TA haben die Kommentare dann sogar zu diesem Machwerk an journalistischer Kunst geführt: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Das-Busenarbeitsgericht-macht-die-Damen-zum-Freiwild-Heftige-Diskussionen-zu-1028701691#.VNpAIm06H8w.facebook

Man beachte das „Symbolbild“ und versuche dann noch der TA keinen Sexismus vorzuwerfen. Moralkeule + Titten = Klicks. Schade, dass wir Menschen so einfach ticken.

Zum Schluss gibt es hier mal ein paar einfache Schlagwörter, die in der Überschrift platziert völlig ausreichen um sinnlose, oft menschenverachtende Kommentare zu provozieren: Asyl, Islam/Muslim, Pegida, Hund, Kinder, Mindestlohn, Ukraine, Putin.

Wie auch immer, bis die Tage

Zero

Positionspapieraments

Wann immer ich Kommentare zu PEGIDA-Artikeln lese, kommt fast zu 100% die Rechtfertigung: Wir sind keine Nazis, guckt doch mal unser Positionspapier an. Also werden wir das heute mal tun.

Hier kommt also (fett gedruckt) das tolle Positionspapier von Pegida. Darunter lest ihr was damit meines Erachtens gemeint ist bzw. was meines Erachtens die Realität auf den Demos widerspiegelt.

1. Pegida ist für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!

Gleichzeitig ist die Aufnahme auch ein Menschenrecht. Wie ernst es die Teilnehmer mit Differenzierungen nehmen, sehen wir an dem Beispiel aus dem letzten Blogbeitrag. Die Pegida-Macher wissen wohl auch aus der Vergangenheit, dass Deutsche ebenfalls vor Krieg oder politischer Verfolgung fliehen mussten. Länder wie Argentinien und Bolivien können davon ein Lied singen.

Davon abgesehen impliziert der Punkt, dass die meisten Flüchtlinge „Wirtschaftsflüchtlinge“ sind. Das ist erstens falsch und zweitens kann man auch diesen nicht verdenken für sich ein besseres Leben zu suchen.

2. Pegida ist für die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!

Was geschieht mit anerkannten Flüchtlingen, die die wie auch immer geartete Integrationspflicht nicht erfüllen? Wie soll diese Pflicht aussehen? Wann ist man integriert? Kann man auch als Deutscher nicht integriert sein? Oder gibt es dann keine Pflicht? Lest dazu auch gern meinen Beitrag aus dem vorletzten Jahr: https://blogade12.wordpress.com/2013/02/06/warum-ich-nicht-integriert-bin/

3. Pegida ist für dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen!

Die dezentrale Unterbringung findet bereits teilweise statt. Fraglich ist, ob diese überhaupt sinnvoll ist. Einer Solidarisierung unter den Flüchtlingen wird damit jedenfalls ein Riegel vorgeschoben. Infrastruktur fehlt oft. Für Asylbewerber, die nur auf sich und die Mitarbeiter der Kommune angewiesen sind, ergeben sich oft schwerwiegende Probleme. Organisationen zur Unterstützung von Flüchtlingen sind oft nicht dezentral.

4. Pegida ist für einen gesamteuropäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und eine gerechte Verteilung auf die Schultern aller EU-Mitgliedsstaaten! (Zentrale Erfassungsbehörde für Flüchtlinge, welche dann ähnlich dem innerdeutschen, Königsteiner Schlüssel die Flüchtlinge auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt)

Ich habe keinerlei Probleme mit dieser Forderung. Auf Grund der Drittstaatenregelung wird in Deutschland vermehrt abgeschoben. Diese Abschiebung würde damit verhindert werden. Wirtschaftskraft und Bevölkerungsgröße sind natürlich einzuberechnen.

5. Pegida ist für eine Senkung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende (Anzahl Flüchtlinge je Sozialarbeiter/Betreuer – derzeit ca. 200:1, faktisch keine Betreuung der teils traumatisierten Menschen)

Damit gehe ich konform.

6. Pegida ist für ein Asylantragsverfahren in Anlehnung an das holländische bzw. Schweizer Modell und bis zur Einführung dessen, für eine Aufstockung der Mittel für das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) um die Verfahrensdauer der Antragstellung und Bearbeitung massiv zu kürzen und eine schnellere Integration zu ermöglichen!

Im Prinzip wird hier nur eine schnellere Abschiebung gefordert. Nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen kann aber gegen eine Abschiebung Rechtsmittel eingelegt werden, wodurch eine Abschiebung zunächst nicht möglich ist. Natürlich soll ein Asylantrag so zügig wie möglich bearbeitet werden.

7. Pegida ist für die Aufstockung der Mittel für die Polizei und gegen den Stellenabbau bei selbiger!

Pegida fordert mehr Polizei. Dazu kann man geteilter Meinung sein. Ich habe dazu keine Meinung.

8. Pegida ist für die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung!

Pegida verlangt so viele Abschiebungen wie nur irgend möglich.

9. Pegida ist für eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!

Nur für Deutsche soll es eine zweite Chance geben (oder dritte oder vierte, gelle Herr Bachmann). Der Ausländer ist von Prinzip aus anders als der Deutsche, denn er ist ja Ausländer (so in etwa AfD-Gauland im MoMa-Interview).

Der neunte Punkt ist einer der ekelhaftesten.

10. Pegida ist für den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!

Pegida ist wohlgemerkt nicht gegen Frauenfeindlichkeit oder Gewalt. Sondern nur gegen Muslime, die frauenfeindlich oder gewaltbereit sind. Warum sonst dieses „aber“?

11. Pegida ist für eine Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas oder Südafrikas!

Wenn man die Schweiz gern imitieren möchte, sollten erstmal 25% der Bevölkerung Ausländer oder Migranten sein. Ach nee, es droht ja eine krasse Islamisierung, schon bei 5% Muslimen in Deutschland bzw. man fühlt sich fremd im eigenen Land bei circa 10% Ausländeranteil.

12. Pegida ist für sexuelle Selbstbestimmung!

Wer nicht? Wir haben sexuelle Selbstbestimmung in Deutschland. Wer dagegen verstößt, macht sich strafbar.

13. Pegida ist für die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!

Wie sieht diese Kultur aus? Abendland? Wo haben sie diesen Begriff denn ausgegraben?
Christen? Im atheistischen Sachsen gibt es jetzt wirklich nicht so viele *praktizierende* Christen.
Juden? Menschen mit Israel-Flagge wurden übrigens auf der Demonstration erst bedroht, dann von den Ordnern verwiesen. Nachzulesen hier: https://egoteaist.wordpress.com/2014/12/23/pegida-ein-erfahrungsbericht/

14. Pegida ist für die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz!

Hierzu Ausführungen zu machen, würden den Rahmen sprengen. Die Forderungen ist in jedem Fall okay, auch wenn man anderer Meinung ist.
Wie die Anhänger in den sozialen Netzwerken das sehen, sieht man sehr schön an diesem Beispiel:

PeGiDa

Leider kam von ihm daraufhin keinerlei Reaktion.

15. Pegida ist gegen Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z.B. PKK

Das ist meines Erachtens unterstützenswert.

16. Pegida ist gegen das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.

Der Punkt impliziert wir hätten Sharia-Gerichte in Deutschland. Dies ist mitnichten der Fall.

17. Pegida ist gegen dieses wahnwitzige „Gender Mainstreaming“, auch oft „Genderisierung“ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!

Frauen dürfen in der Sprache und damit schließlich auch in Gedanken weiterhin unterdrückt werden.

18. Pegida ist gegen Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert!

Wird aber deutschlandweit von Radikalen organisiert und besucht.

19. Pegida ist gegen Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig!

Politische Hassprediger (zu finden in der Spitze von Pegida) sind allerdings willkommen. Wenn es geht Atheisten.

Die allermeisten Punkte sind hohle Phrasen, dazwischen immer wieder etwas Fremdenhass. Auf den Demos kommen dann auch noch das „Lügenpresse“-Geschrei dazu und anderer unflätiger Unsinn.

Mitmenschlichkeit sucht man vergebens in diesem Pamphlet und wird es auch definitiv nicht bei den Demonstrationen finden.

Ihr könnt gern eure Meinung in den Kommentaren niederschreiben.

Beachtet auch meinen letzten Beitrag zum gleichen Thema: https://blogade12.wordpress.com/2015/01/04/indianer/

#JeSuisCharlie
Zero

INDIANER!!!

Pegidianer, Pegidenser, Pegidisten, Pegidioten, Pegidasen,

wie auch immer man diese Art „Volksgruppe“ nennen will: Was wollen die eigentlich?
Ich habe sehr lange überlegt, ob ich zu dieser aktuellen Erscheinung, die aus der angeblichen Mitte der Gesellschaft kommen soll, etwas in Form eines Blogeintrages sagen soll. Dann habe ich mich dagegen entschieden. Es wird seitens diverser Medien mehr als genug über diese Proteste geschrieben, gesprochen und erbrochen.
Eine langseitige Stellungnahme wie ich zu den Leuten stehe, erübrigt sich eigentlich. Eine Freundin von mir lebt mit ihrem Freund in Dresden. Ich habe Sie kurz vor Weihnachten gefragt, was sie von den Leuten bei Pegida hält. Ich mach es kurz: Nicht viel. Ich mache es so kurz, weil sie mir die Aufeinandertreffen mit den Pegidianern auch nur kurz beschrieb, aber sie verwendete härtere Worte.

Bei der letzten Demonstration kam es im Nachhinein dann auch zu folgenden unschönen Szenen:

http://ausserkontrolle.blogsport.de/2014/12/28/interview-hetzjagd-auf-migranten-in-dresden-2/

Das Interview kann man nur als erschreckend bezeichnen. Welche Lösung gibt es für diese Jugendlichen? Montags nicht mehr rausgehen ist eine Möglichkeit. Die vernünftigste. Aber wohl nicht die langfristigste… Die Wahrscheinlichkeit, dass ebenfalls eine Bewaffnung stattfinden wird, ist höher. Die Eskalation ist kurz vor der höchsten Stufe. Diese Bewegung ist brandgefährlich.

Es ist purer Hass, gemischt mit Dummheit, der einem auch in den ungeschnittenen Interviews durch die „System-/Lügenpresse“ entgegenschlägt:

Teil 1: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/PEGIDA-ROH-2,panorama5344.html

Teil 2: http://www.spinnert.de/17365-pegida-die-interviews-in-voller-laenge-teil-2-2.html

Im Nachgang stellte sich noch raus, dass einer der Interviewten (der junge Mann, der halbwegs geradeaus sprechen konnte) RTL-Mitarbeiter war. Richtig dumme Sache und peinlich für RTL und den Mitarbeiter. Und gefundenes Fressen für Pegida-Anführer Bachmann, der sogleich diesen Fehler als Aufmacher nutze. Natürlich verschwieg er dabei, dass der Zwischenfall von den „Systemmedien“ aufgeklärt wurde.

Im Allgemeinen herrscht derzeit eine beängstigende Stimmung in Dresden. Die Zeit der großen Nazidemos schien vorbei. Mölln und Hoyerswerda gerieten langsam in Vergessenheit bei der breiten Bevölkerung. Genau da setzt Pegida an. Die geistigen Brandstifter dieser Bewegung finden sich dann freilich doch bei den Medien, B1LD, RTL und andere haben oft genug mit verdrehten Berichten und Zeitungsenten das Feuer angefacht. Genau das ist auch das Perfide an PEGIDA. Mit den Medien soll nicht geredet werden und man glaubt deren Berichterstattung nicht mehr. Auf der anderen Seite werden Falschmeldungen von Hetzblättern und ominösen Internetseiten, wie PI-News, dem Kopp-Verlag oder Ken Jebsen aber für bare Münze genommen. Die Pegidenten fordern UNS zum Nachdenken auf und merken dabei nicht, dass sie selbst nicht nachdenken.

Einige dieser Falschmeldungen habe ich hier einmal aufgeführt:

Christen sollen an Weihnachten muslimische Lieder singen? http://www.bildblog.de/62469/vom-untergang-des-abendlandes-kann-bild-ein-liedchen-singen/ FALSCH

Weihnachtsmärkte in Berlin verboten? http://www.mimikama.at/allgemein/aufregung-um-weihnachtsverbot/ FALSCH

Weihnachten wird allgemein verboten? http://www.welt.de/politik/ausland/article5794280/Das-Maerchen-vom-Muslim-der-Weihnachten-stiehlt.html FALSCH

Islam-Rabatt für Angeklagte? http://www.bildblog.de/56074/die-bild-theorie-vom-islam-rabatt-2/ FALSCH

Kein St.Martins-Umzug mehr? http://www.bad-homburg.de/rathaus/aktuelles/pressemeldungen.php?showpm=true&pmurl=http://www.bad-homburg.de/guiapplications/newsdesk/publications/Bad_Homburg_v._d._Hoehe/176010100000019266.php FALSCH

Grüß-Gott-Verbot? http://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/baden-wuerttemberg-bleibt-beim-gruess-gott/?type=98&cHash=77a0719fb52341859768716c404c7d2e&print=1 FALSCH

Ich könnte hier noch ne ganze Weile so weitermachen. Die Falschmeldungen der letzten Monate und Jahre sitzen fest in den Köpfen dieser Menschen. Man bemerkt dies daran, dass etliche dieser Falschmeldungen von Anhängern PEGIDAs immer noch wiederholt werden.

Feststellen kann man: Die „Patrioten“ sind nicht gegen den IS, sondern gegen Flüchtlinge und Ausländer im Allgemeinen. Sie ignorieren Fakten und verhalten sich äußert egoistisch. Mit Nazis wollen sie aber nicht verwechselt werden. Sie sind auch zum Großteil keine. Der Rassismus ist in Deutschland immer noch stark in der Gesellschaft verwurzelt. Leider.

Der twitternde „Gott“ hat da schon ein wenig Recht:

Hier steht Gottes Wort

Nun habe ich doch was dazu geschrieben. Hier stehe ich, ich kann nicht anders.
Ich hoffe 2015 wird wieder besser.

Zero

PS: Aus Gründen der Zeitknappheit wurde auf ein Lektorat verzichtet. Rechtschreibfehler dürfen daher gern gemeldet, oder aber behalten werden.

Ihr mögt also keinen Frauenfußball…

Und weiter? Ich mag keinen Spargel. Aber ich mache da nicht so ein tierisches Geschrei darum. Jeder Depp scheint nach dem Unentschieden im Auftaktspiel der deutschen Frauennationalmannschaft bei der Europameisterschaft sein Maul aufreißen zu müssen um kundzutun, dass er Frauenfußball scheiße findet. Es fragt sich nur warum?

Sobald es um Frauenfußball geht, bemerkt man wie viele Männer in Wirklichkeit zur Gleichberechtigung stehen. Möchtet ihr ein paar Beispiele? Ich muss zugeben, dass ich die am Bodensatz vom Bodensatz herausfischen musste. Nämlich bei den Facebookkommentaren zu einem Artikel der B!LD. Da tummeln sich für gewöhnlich die Doofen. Aber lest selbst (Rechtschreib- und Grammatikfehler aus dem Original übernommen, Namen gekürzt):

Andreas F.: „Ich mag Frauen und Fußball aber keinen frauenfußball“
De A.: „aber trikottausch mögen wir alle…“
Tino S.: „Frauenfussball das ist doch schon ein Widerspruch im sich selbst .“
Andre H.: „Lieber unentschieden als verloren ? Echt jetzt ? Wie typisch Frau !Klischee erfüllt setzten 6 !“
Okan T.: „Bitte mädels spielt tennis handball volleyball aber lasst bitte den Fusball aus dem Spiel….“
Und als Kommentar darunter:
Sarina I.: „Endlich mal ein Mann, der das auch so sieh“
Björn P: „Frauen Fußball hat was von Kinder Geburtstag. Total nervig“ und „Frauen dürfen gerne Tennis spielen. Das kommt gut“
DocJoerg S.: „Die sollten mit Waschmaschinen spielen! Und BILD sollte noch mal Deutsch üben!“

Ich werde diesem geistigen Dünnschiss nicht weiter kommentieren. Aufregen kann man sich zwar darüber, aber das bringt auch nicht wirklich Seelenfrieden. Zur fehlenden Anerkennung der Gleichberechtigung kommt noch purer Sexismus. Ich musste fast kotzen, als ich diese Scheiße lesen musste. Fest steht lediglich, dass diese Leute froh sein können, dass scheiße und dumm sein, keine Schmerzen bereitet.

Ich wünsche Euch ein knallergeiles Wochenende meine gebildeten Freunde.

Zero

Warum ich nicht integriert bin

Um frei Marc-Uwe Kling zu zitieren: „Wollen wir wirklich, dass alle so sind wie wir?“ Wobei der Künstler mit „wir“ in der ersten Metaebene vermutlich „die Deutschen“ meint, in der zweiten Metaebene aber eher den westlichen Kapitalismus. Denn darum geht es (auch) bei den nicht enden wollenden Integrationsforderungen von links, rechts und aus der Mitte.

In diesem Diskurs vertrete ich die vermutlich durchaus angreifbare, weil radikale Position: Scheiß auf Integration. Ich bin nicht integriert, war nie integriert und werde vermutlich nie integriert sein. Und ich möchte das auch nicht! Warum sollen es dann andere seien müssen? Es ist eine Farce zu glauben, nur „Migranten“ können nicht integriert sein. Wobei das Wort „Migranten“ an sich schon ein Witz ist, weil wir hier oft genug von Menschen reden, die in der zweiten, dritten, ja vierten Generation in Deutschland leben, einen deutschen Pass haben und auch in fast allen Fällen deutsch sprechen. Oder wart ihr je in einer Dönerbude und habt auf englisch, türkisch oder chinesisch bestellt? Nicht? Ach so. Okay, wir sollten nicht in Klischees verfallen, natürlich gibt es nicht nur Dönerbudenbesitzer, aber auch jeder andere türkisch- oder wasweißich-stämmige mit dem ich in Deutschland je gesprochen habe (und ich bin schon ab und zu in Frankfurt) spricht Deutsch. Die verfickte Sprache ist nicht das Problem. Die „Migranten“ sind nicht das Problem. IHR seid das Problem. IHR schafft diese künstliche Separation indem IHR überall separiert. Das tut ihr schon dadurch, indem ihr überall Migranten seht, statt Menschen. Ganz normale Menschen, mit Problemen, Emotionen, Hintergründen. Die (kulturellen) Hintergründe, besonders bei Asylsuchenden (also Menschen noch ohne echten Aufenthaltstitel) mögen oft anders sein als eure eigenen. Aber besitzt ihr so wenig Empathie, dass ihr euch nicht in jemand Hilfesuchenden hineinversetzen könnt? Oder seid ihr nicht viel mehr zu faul, um dies zu tun?

Auf den ersten Blick scheint vieles unverständlich.

Arabisch für Anfänger

Vielleicht hat das Ganze auch mit Arroganz zu tun. Arroganz gegenüber ärmeren Menschen. Die hiesige Kultur (und ich nehme mich da nicht aus) hat vergessen, wie gut es ihr eigentlich geht, wie groß der Wohlstand in Wirklichkeit noch ist und wie nah doch das Elend auf der Zeitkarte sein könnte. In Griechenland bemerken das Teile der Bevölkerung gerade etwas stärker. Es ist nicht ganz so schwer, wie es oft behauptet wird, sich in einen asylsuchenden Menschen zu versetzen. Stellt euch doch einfach mal vor, ihr seid mittellos und/oder euer Heimatland ist von Krieg und/oder Vertreibung gezeichnet. Zerbombt oder politisch soweit von eurer eigenen Meinung weg, dass es gefährlich für euch wird, dort zu leben. Denkt ihr ernsthaft Menschen geben gern ihre Heimat auf, weil sie irgendwo anders auf der faulen Haut liegen wollen? Wer das wirklich glaubt, ist wahrhaft arrogant oder dumm. Andere Worte finde ich dafür nicht.

Es geht euch auch nicht um Sprache. Die Sprache kann nicht das Problem sein. In Amerika gibt es bis heute noch viele deutschstämmige Auswanderer, die untereinander fast ausschließlich auf deutsch kommunizieren, deutsche Schulen besuchen und ihr kulturelles Erbe pflegen. Sind diese Menschen Sonderlinge? Wenn nein, warum nicht? Weil Amerika ein Zuwandererland ist? Was meint ihr was Europa ist? Irgendjemand mal in Geschichte ein bisschen aufgepasst? Völkerwanderungen finden ständig und über sehr große Distanzen statt. Der Moment in dem unsere Generation lebt ist nur ein Wimpernschlag verglichen mit der Zeit, die die Menschheit auf diesem Planeten wandelt.

Worum geht es denn wirklich bei Integration? Die Leute sollen genauso handeln, wie wir es von ihnen erwarten, weil wir das so gewöhnt sind. Weil das einfacher ist und wir zu faul sind um uns einen Schritt auf sie zuzubewegen.

Merkt ihr was? Eure Integration ist Anpassung. Reine Anpassung und sonst nichts. Daher kann ich auch nicht integriert sein. Weil ich nicht angepasst bin, weil ich nicht angepasst sein will. Das ändert sich auch nicht durch Vereinszugehörigkeit, Beruf oder Ehrenämter. Entweder mal fühlt sich zugehörig oder man fühlt sich nicht so. Sind Jugendliche, die sich sehr oft in Gruppen separieren, denn dann de-integriert? Oder geht Integration nur bei Menschen, die irgendwie nicht 100% wie Arier aussehen? Das wäre dann doch wohl eindeutig rassistisch. Daher kann ich nur noch einmal fragen: Wollt ihr wirklich, dass alle sind wie wir? Ich möchte das nicht.

Herzlichst Ihr Franz Josef Wa… ähhhh euer Zero

tl;dr: Wenn wir beim Thema Integration nicht aufpassen, kommt irgendwann DAS hinten raus: