Wer wird Fußballweltmeister 2014?

Seit letzten Donnerstag rollt der Ball wieder bei einer Weltmeisterschaft. Nie waren die Diskussionen im Vorfeld der Fußball-WM so hitzig und intensiv wie dieses Mal. Die FIFA wird umfangreich kritisiert, die Demonstranten in Brasilien nutzen die Bühne um auf ihre Probleme hinzuweisen. Ich werde darüber nichts näheres schreiben. Die Medien decken diese Punkte in umfangreichem Maß ab. Für mich gilt in jedem Fall voll Solidarität mit den Kritikern und Demonstranten.

Facepalm

Facepalm

Dennoch soll die WM auch etwas Raum im Blog haben. Also könnt Ihr ab heute euren Tipp abgeben, wer Vizeweltmeister 2014 wird. Immer nur den Weltmeister zu tippen, wird doch auf Dauer langweilig oder? Wir verlosen unter allen richtigen Tipps dann eine Überraschung. Tippen könnt ihr hier oder auf Facebook. Dazu müsst ihr Blogade liken und unter diesen Post einen Kommentar mit Namen und Tipp absetzen. Der Gewinner wird dann hier bekannt gegeben. Es zählen nur Tipps, die spätestens am 17.06.2014 um 21:00 Uhr eingegangen sind. Ihr müsst euch also etwas sputen!

Wünscht allen eine schöne WM

Zero

tl;dr:

1) Blogade liken
2) Vizeweltmeister richtig tippen
3) ???
4) Profit

Ihr mögt also keinen Frauenfußball…

Und weiter? Ich mag keinen Spargel. Aber ich mache da nicht so ein tierisches Geschrei darum. Jeder Depp scheint nach dem Unentschieden im Auftaktspiel der deutschen Frauennationalmannschaft bei der Europameisterschaft sein Maul aufreißen zu müssen um kundzutun, dass er Frauenfußball scheiße findet. Es fragt sich nur warum?

Sobald es um Frauenfußball geht, bemerkt man wie viele Männer in Wirklichkeit zur Gleichberechtigung stehen. Möchtet ihr ein paar Beispiele? Ich muss zugeben, dass ich die am Bodensatz vom Bodensatz herausfischen musste. Nämlich bei den Facebookkommentaren zu einem Artikel der B!LD. Da tummeln sich für gewöhnlich die Doofen. Aber lest selbst (Rechtschreib- und Grammatikfehler aus dem Original übernommen, Namen gekürzt):

Andreas F.: „Ich mag Frauen und Fußball aber keinen frauenfußball“
De A.: „aber trikottausch mögen wir alle…“
Tino S.: „Frauenfussball das ist doch schon ein Widerspruch im sich selbst .“
Andre H.: „Lieber unentschieden als verloren ? Echt jetzt ? Wie typisch Frau !Klischee erfüllt setzten 6 !“
Okan T.: „Bitte mädels spielt tennis handball volleyball aber lasst bitte den Fusball aus dem Spiel….“
Und als Kommentar darunter:
Sarina I.: „Endlich mal ein Mann, der das auch so sieh“
Björn P: „Frauen Fußball hat was von Kinder Geburtstag. Total nervig“ und „Frauen dürfen gerne Tennis spielen. Das kommt gut“
DocJoerg S.: „Die sollten mit Waschmaschinen spielen! Und BILD sollte noch mal Deutsch üben!“

Ich werde diesem geistigen Dünnschiss nicht weiter kommentieren. Aufregen kann man sich zwar darüber, aber das bringt auch nicht wirklich Seelenfrieden. Zur fehlenden Anerkennung der Gleichberechtigung kommt noch purer Sexismus. Ich musste fast kotzen, als ich diese Scheiße lesen musste. Fest steht lediglich, dass diese Leute froh sein können, dass scheiße und dumm sein, keine Schmerzen bereitet.

Ich wünsche Euch ein knallergeiles Wochenende meine gebildeten Freunde.

Zero

„Ich konnt das Fahnenschwenken noch nie ertragen“*

Geht es nur mir so oder haben andere auch das Gefühl, dass es von WM zu WM und von EM zu EM immer länger dauert bis alle ihre dusseligen Autofahnen wieder in der Weihnachts-/Oster-/Fußballturnierkiste verstaut haben? Bis zum Sonntag die Fahne dran lassen, obwohl Deutschland schon am Donnertag ausgeschieden ist: okay, eine Trotzreaktion. Das kennt man und da hab ich persönlich auch nichts dagegen. Aber warum fahren die jetzt noch damit durch die Gegend? Schlimm genug, dass alle zu den großen Fußballturnieren ihren Nationalstolz wiederfinden. Oder ihn gar nicht suchen mussten, sondern nur auf diese Gelegenheiten warteten. Oder noch schlimmer, zu denken, es gehöre zu einem großen Fußballturnier dazu sein eingestaubtes Schwarz-Rot-Gold-Fähnchen vom Speicher zu holen. Die Deutschen haben ein Problem mit ihrem Nationalstolz. Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Keinesfalls nehme ich mich da aus. Ich habe keine Lust auf die Fahne. Ich fühle mich nicht als „Deutscher“, sondern als Mensch. Ein Mensch, der zufällig in einem Land namens Deutschland geboren ist. Natürlich wird man mit den hiesigen Werten und Normen sozialisiert. Aber auch diese herrschen recht zufällig hier. Der Zufall bestimmt in vielerlei Hinsicht unser Schicksal. Wer ist schon stolz auf Zufall? Zu viele Menschen meiner Meinung nach.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin ein großer Fußballfan. Und ein großer Fan der Nationalmannschaft. Aber deswegen muss ich jetzt nicht plötzlich die Deutschlandfahne überall mit hinschleppen, sie an mein Auto pappen oder mir ins Gesicht malen. Ich verurteile aber auch niemanden, der dies tut, weil er sich mit der Nationalmannschaft verbunden fühlt und diese anfeuern möchte. Ich laufe nicht herum und breche Fahnen von Autos ab, weil diese den „Nationalismus“ fördern. Mag sein, dass sie dies tun, aber rechtfertigt diese kleine Fahne schon eine (wenn auch ebenfalls kleine) Sachbeschädigung? Dagegen würde ich sofort hingehen und eine Reichskriegsflagge oder auch schon eine normale Reichsflagge abbrechen, denn da zieh ich dann halt meine persönliche Grenze. Da ist aktiver Widerstand für mich erlaubt und sogar erste Bürgerpflicht. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass die meisten „Fahnenschwenker“ (wohl gemerkt die Deutschlandfahne) keine deutsch-nationalen Dooftümmler sind, sondern ganz normale Leute. Ein breites Spektrum von Menschen. Eine durch und durch heterogene Masse, die man nicht einfach in eine Schublade stecken kann. Daher gilt für mich in diesem Fall die Maxime „leben und leben lassen“ weiterhin.

Außerdem bin ich Realist. Schon vor der EM war Spanien mein Favorit. Einfach weil die Mannschaft am Besten harmoniert und zusammenpasst. Aber aus diesem Grund juble ich ja nicht Spanien zu. Ich rechne nur damit, dass Deutschland nicht Europameister wird. Dann tut es auch nicht so weh, wenn sich die Nationalmannschaft aus dem Turnier verabschieden muss. Es war einfach absehbar. Leider wurde Deutschland hierzulande bereits vor der EM zum Titelträger geschrieben und geschwatzt. Und dann niedergemacht. In der Niederlage, wenn man Zuspruch am meisten hätte gebrauchen können. Der Anspruch seitens der meisten Medien an die Deutsche Nationalmannschaft war dieses Mal viel zu hoch. Vom Boulevard ist man dieses Hochjubeln und anschließende Verdammen ja leider gewöhnt. Was mich traurig stimmt ist die Tatsache, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender auf dieser Welle mit geritten sind. Von Stefan Niggemeier (allgemein ein sehr zu empfehlendes Blog) gibt es einen schönen Beitrag dazu. Daher wollen wir dieses Thema hier erstmal nicht weiter vertiefen. Aber auch das gehört eben zu einer Nationalismusdebatte dazu.

Genau wie das Thema „Balotelli“. Mittlerweile ein fast schon leidiges Thema, weil alles dazu schon mal gesagt wurde. Sehr lesenswert hat sich frederic in „Zum blonden Engel“ dazu geäußert.

Zur Erklärung: Nachdem uns der italienische Angreifer aus dem Europameisterschaftsturnier geschossen hatte, nutzen viele Internetnutzer seine heroisch aussehende Geste beim Torjubel um sich ein wenig zu profilieren. Die meisten Karikaturen und Photoshop-Bilder waren schön gemacht. Witzig, veralbernd, aber nicht verspottend. Dennoch wurde es so manchen Leuten zu viel und sie wollten diese Art von Bildern nicht mehr sehen. Ich verstand das Problem dahinter noch nicht ganz. Als Pokerspieler kennt man diese Verballhornungen aus den bekannten Foren, wie 2+2 oder pokerstrategy. Dort werden regelmäßig lustige und weniger lustige Bilder von Pokerprofis „gephotoshopt“, wenn ich dieses Wort eben mal kreieren darf. Googlen gibt es schließlich auch mittlerweile im Duden.

Beispiel: Phil Ivey. Links Original. Rechts Photoshoped.

Nicht lustig waren allerdings die rassistisch anmutenden Bilder. Der gute Geschmack wird mit so einem Schund wirklich verletzt und die Menschenwürde wird angegriffen. Auch kann ich es nicht verstehen, dass sich so viele Deutsche über ihn aufgeregt haben. Ja, er hat Deutschland rausgeschossen. Und? Besitzt ihr sowenig Empathie, dass ihr euch nicht in ihn hineinversetzen könnt? Jeder andere hätte doch an seiner Stelle ähnlich gehandelt. Ich kann dazu nur wiederholt auf frederics Beitrag verweisen.

Das war es jetzt erstmal mit Fußball. Versprochen.

Yours Zero

* Broilers: „Schwarz, Grau, Weiß“

Schweinsteiger und die Medien

Das in Deutschland möglich ist, dass alle etwas sehen, aber keiner etwas deswegen sagt, wissen wir schon seit einigen Jahrzehnten. Neu ist, dass die Medien beim Fußball schweigen. Normalerweise wird kontrovers über jeden falschen Einwurf stundenlang mit Experten und Leuten, die kaum einen geraden Satz bilden können, debattiert, gestritten und ab und an sogar gelacht. Umso überraschender muss es für den „normalen“ Fußballfan gewesen sein, dass sich kaum jemand getraut hat, Schweinsteigers Form bei dieser EM zu kritisieren. Erst viel zu spät fand zum Beispiel die Süddeutsche ihr Symbol des Scheiterns.

 „11 Freunde“ schrieb eine treffende Einzelkritik zum Italien-Spiel.

Bastian Schweinsteiger: Schon nach einer halben Stunde musste man sich die Frage stellen: Warum stand Bastian Schweinsteiger überhaupt auf dem Platz? Klar, um seiner Mannschaft trotz der nicht vorhandenen Topform Sicherheit und Stabilität zu vermitteln. Doch selbst dazu war Schweinsteiger zu müde. Seine Bewegungen wirkten träge, vorhersehbar, ausrechenbar. So fehlte der deutschen Mannschaft ein entscheidender Ideengeber für die Offensive. Bittere Erkenntnis: Wenn der Kopf müde ist, kann der Körper auch nicht funktionieren. Bittere Erkenntnis 2: Noch vertraut Joachim Löw Sami Khedira nicht als alleinigem Herrscher in der ordnenden Zentrale. Sonst hätte er Schweinsteiger ausgewechselt.“

Gratulation „11 Freunde“, das ist absolut treffend in dieser Kürze formuliert. Wenn man also was zu Schweinsteiger sucht, in den seriösen Printmedien wird man fündig. Wie es im Boulevard aussieht, kann ich dagegen nicht sagen, schon weil ich mich im Moment gar nicht mit diesem beschäftigen will. Ich weiß lediglich, dass in der B1LD nach dem zweiten Gruppenspiel stand, dass Real Madrid an Schweinsteiger dran wäre. Angeblich, weil er so eine gute EM spielt. Ich lasse das mal unkommentiert.

Football.ua

Bild: Football.ua (Verbreitung nur unter Namensnennung)

Was mich wirklich aufregt, sind aber nicht die Printmedien, sondern die Fernsehberichterstattung. Niemand im TV wollte anscheinend Schweinsteiger ernsthaft kritisieren. Jeder Fan hat gesehen, dass „Basti“ total neben sich steht und nicht ansatzweise in der Form ist der Leader eines Europameisters in spe zu sein. Er schlug einen Fehlpass nach dem anderen, das juckte von den Moderatoren und Kommentatoren keinen. Er verlor gefühlt 80% seiner Zweikämpfe, alle gucken weg. Er grätscht in einer Situation einem Angreifer den Ball weg, alles jubelt. An der Stelle muss man sich fast schon fragen: Gab es vielleicht ein heimliches Abkommen zwischen Nationalmannschaft und den öffentlich-rechtlichen Sendern? Nach dem Motto: „Bitte nicht Schweini kritisieren. Wir möchten, dass er aufgebaut wird, damit er uns ins Finale bringt.“ Oder fehlt es uns an Journalisten im deutschen Sportfernsehen, die es sich auch mal trauen, die gestandenen Spieler zu kritisieren? Dieses Phänomen muss dann aber neu sein. Hat vielleicht auch mit der Personalpolitik der ARD zu tun. Aber das ist ein anderes Thema, zu dem ich in naher Zukunft etwas schreiben werde.

Klar Schweinsteiger war nicht fit, auch wenn das immer wieder behauptet wurde. Und klar, jeder macht Fehler, auch der Bundestrainer. Und jeder Deutsche ist irgendwie so ein kleiner Bundestrainer und denkt die Entscheidung die er getroffen hätte, wäre die beste. Und auch klar ist, dass das Stuss ist. Bundestrainer ist Löw und er meines Erachtens einen passablen Job gemacht.

Die einzig klare Fehlentscheidung, die er dieser Tage getroffen hat, war es, komme was wolle, an Schweinsteiger festzuhalten. Aber letztlich kostete dies Fehlentscheidung allein der deutschen Nationalmannschaft nicht den Titel. Die mutigen, aber sehr gelungenen Personalumstellungen vor dem Griechenlandspiel hat der Bundes-Jogi zurückgenommen. Sinniger wäre es gewesen diese beizubehalten und Toni Kroos für Schweinsteiger aufzustellen. Das wäre letztlich die bessere Alternative gewesen. Meines Erachtens die deutlich bessere. Nachher ist man immer schlauer.

 

23 Freunde müsst ihr sein

Euer Zero