Willkommenskultur – ein Kommentar

Aktuell erleben wir in Europa und speziell in Deutschland und Schweden eine neue Zeit. Umbrüche und Veränderungen hat es in der Vergangenheit immer gegeben. Mal waren diese von guter und mal von schlechter Natur. Zu Beginn eines Umbruchs ist eigentlich nie klar, ob dieser sich positiv oder negativ entwickeln wird. Genau an dieser Stelle soll „Willkommenskultur“ ansetzen und greifen. Nicht das, was wir aktuell erleben, wird uns verändern, sondern die Art wie wir darauf reagieren und wie wir damit umgehen.

Seit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung kann ich mich an keine politische Phase erinnern, die mich so bewegt hat. Ich finde, dass wir als Gesellschaft an einem Wendepunkt stehen. Unsere Aufgabe ist es, Solidarität mit den Opfern von Wirtschafts- und Kriegspolitik zu zeigen und die Politik in die Pflicht zu nehmen! Das wird unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. Es eröffnet sich eine historische Chance für Deutschland und Europa. Die Frage ist: Wollen wir uns abschotten und Grenzen dicht machen oder uns öffnen für Menschen, die Chancen suchen? Wir verschenken vermutlich unfassbares Potential, wenn wir die Politik weiter so agieren lassen, dass Grenzen geschlossen und Menschen in Not abgewiesen werden.

Ohne eine Politik, die diese Willkommenskultur nachhaltig unterstützt, wird sie nicht stattfinden können. Es ist daher unbedingt Aufgabe der Politikerinnen und Politiker in Deutschland und Europa für ein offenes, faires, freies und sicheres Europa einzutreten. Und es ist unsere Aufgabe als Zivilbevölkerung dies von unseren Volksvertretern zu fordern und positiven Druck auszuüben um eine solche Willkommenskultur zu erreichen.

Zero

Warum ich nicht integriert bin

Um frei Marc-Uwe Kling zu zitieren: „Wollen wir wirklich, dass alle so sind wie wir?“ Wobei der Künstler mit „wir“ in der ersten Metaebene vermutlich „die Deutschen“ meint, in der zweiten Metaebene aber eher den westlichen Kapitalismus. Denn darum geht es (auch) bei den nicht enden wollenden Integrationsforderungen von links, rechts und aus der Mitte.

In diesem Diskurs vertrete ich die vermutlich durchaus angreifbare, weil radikale Position: Scheiß auf Integration. Ich bin nicht integriert, war nie integriert und werde vermutlich nie integriert sein. Und ich möchte das auch nicht! Warum sollen es dann andere seien müssen? Es ist eine Farce zu glauben, nur „Migranten“ können nicht integriert sein. Wobei das Wort „Migranten“ an sich schon ein Witz ist, weil wir hier oft genug von Menschen reden, die in der zweiten, dritten, ja vierten Generation in Deutschland leben, einen deutschen Pass haben und auch in fast allen Fällen deutsch sprechen. Oder wart ihr je in einer Dönerbude und habt auf englisch, türkisch oder chinesisch bestellt? Nicht? Ach so. Okay, wir sollten nicht in Klischees verfallen, natürlich gibt es nicht nur Dönerbudenbesitzer, aber auch jeder andere türkisch- oder wasweißich-stämmige mit dem ich in Deutschland je gesprochen habe (und ich bin schon ab und zu in Frankfurt) spricht Deutsch. Die verfickte Sprache ist nicht das Problem. Die „Migranten“ sind nicht das Problem. IHR seid das Problem. IHR schafft diese künstliche Separation indem IHR überall separiert. Das tut ihr schon dadurch, indem ihr überall Migranten seht, statt Menschen. Ganz normale Menschen, mit Problemen, Emotionen, Hintergründen. Die (kulturellen) Hintergründe, besonders bei Asylsuchenden (also Menschen noch ohne echten Aufenthaltstitel) mögen oft anders sein als eure eigenen. Aber besitzt ihr so wenig Empathie, dass ihr euch nicht in jemand Hilfesuchenden hineinversetzen könnt? Oder seid ihr nicht viel mehr zu faul, um dies zu tun?

Auf den ersten Blick scheint vieles unverständlich.

Arabisch für Anfänger

Vielleicht hat das Ganze auch mit Arroganz zu tun. Arroganz gegenüber ärmeren Menschen. Die hiesige Kultur (und ich nehme mich da nicht aus) hat vergessen, wie gut es ihr eigentlich geht, wie groß der Wohlstand in Wirklichkeit noch ist und wie nah doch das Elend auf der Zeitkarte sein könnte. In Griechenland bemerken das Teile der Bevölkerung gerade etwas stärker. Es ist nicht ganz so schwer, wie es oft behauptet wird, sich in einen asylsuchenden Menschen zu versetzen. Stellt euch doch einfach mal vor, ihr seid mittellos und/oder euer Heimatland ist von Krieg und/oder Vertreibung gezeichnet. Zerbombt oder politisch soweit von eurer eigenen Meinung weg, dass es gefährlich für euch wird, dort zu leben. Denkt ihr ernsthaft Menschen geben gern ihre Heimat auf, weil sie irgendwo anders auf der faulen Haut liegen wollen? Wer das wirklich glaubt, ist wahrhaft arrogant oder dumm. Andere Worte finde ich dafür nicht.

Es geht euch auch nicht um Sprache. Die Sprache kann nicht das Problem sein. In Amerika gibt es bis heute noch viele deutschstämmige Auswanderer, die untereinander fast ausschließlich auf deutsch kommunizieren, deutsche Schulen besuchen und ihr kulturelles Erbe pflegen. Sind diese Menschen Sonderlinge? Wenn nein, warum nicht? Weil Amerika ein Zuwandererland ist? Was meint ihr was Europa ist? Irgendjemand mal in Geschichte ein bisschen aufgepasst? Völkerwanderungen finden ständig und über sehr große Distanzen statt. Der Moment in dem unsere Generation lebt ist nur ein Wimpernschlag verglichen mit der Zeit, die die Menschheit auf diesem Planeten wandelt.

Worum geht es denn wirklich bei Integration? Die Leute sollen genauso handeln, wie wir es von ihnen erwarten, weil wir das so gewöhnt sind. Weil das einfacher ist und wir zu faul sind um uns einen Schritt auf sie zuzubewegen.

Merkt ihr was? Eure Integration ist Anpassung. Reine Anpassung und sonst nichts. Daher kann ich auch nicht integriert sein. Weil ich nicht angepasst bin, weil ich nicht angepasst sein will. Das ändert sich auch nicht durch Vereinszugehörigkeit, Beruf oder Ehrenämter. Entweder mal fühlt sich zugehörig oder man fühlt sich nicht so. Sind Jugendliche, die sich sehr oft in Gruppen separieren, denn dann de-integriert? Oder geht Integration nur bei Menschen, die irgendwie nicht 100% wie Arier aussehen? Das wäre dann doch wohl eindeutig rassistisch. Daher kann ich nur noch einmal fragen: Wollt ihr wirklich, dass alle sind wie wir? Ich möchte das nicht.

Herzlichst Ihr Franz Josef Wa… ähhhh euer Zero

tl;dr: Wenn wir beim Thema Integration nicht aufpassen, kommt irgendwann DAS hinten raus: