Über die Unkultur des Facebookkommentars

Bisweilen kommt es vor, dass mich über Inhalt oder Art eines Zeitungsartikels so ärgere, dass ich ihn auf Facebook kommentiere. Diese Tatsache allein ist schon schlimm genug und sagt vermutlich mehr über mich aus, als der gleich folgende Beitrag.

Wenn ich nicht in der Überschrift schon die Richtung dieses Beitrags bestimmt hätte, könnte ich an dieser Stelle noch viele verschiedene Wege einschlagen. Zum Beispiel über Sinn und Unsinn von Leserkommentaren. Oder ich könnte erörtern wohin es führt, dass Zeitungen mittlerweile ihre Schlagzeilen so produzieren, dass möglichst viel kommentiert und gestritten wird. Früher überließ man diesen Bereich rein dem Boulevard, aber davon sind wir längst abgekommen. Doch wie gesagt: Anderes Thema.

In letzter Zeit hab ich etwas öfter an lebhaften „Diskussionen“ teilgenommen. Nicht erst jetzt ist mir dabei aufgefallen, dass es immer wieder vorkommt, dass Menschen Artikel kommentieren ohne ihn überhaupt gelesen zu haben oder aber einfach nur Desinteresse ausdrücken wollten.

Da man dieses Phänomen gewöhnt ist, stört es mich eigentlich auch nicht weiter. Allerdings empfand ich es heute bei diversen Artikeln (z.B. hier und hier) zum Urteil des Bundesarbeitsgerichts, dass sexuelle Belästigung nicht sofort ein Kündigungsgrund ist. Viele Kommentare dazu waren völlig unreflektiert und scheinbar ohne jedes Nachdenken entstanden. Bei vielen war offensichtlich, dass überhaupt kein Artikel zur Überschrift gelesen wurde. Gut zu beobachten war auch, dass es bei der ZEIT deutlich weniger schlechte Kommentare gab, als bei der Thüringer Allgemeinen. Das mag an der Leserschaft, vielleicht aber auch an der Art der Überschriftengestaltung liegen. Bei der TA wird es vor allem in den Überschriften immer deutlicher wohin die Reise geht. Nämlich weg vom ernsthaften Journalismus. Aber ich schweife ab.

Die Kommentare jedenfalls waren wie üblich breit gefächert vom fast schon obligatorischen „Schwanz ab“ über „Tritt ihm in die Nüsse“ bis hin zu harmloseren Sätzen wie „Das macht Frauen zu Freiwild.“ und „Das geht garnicht, Belästigung ist Belästigung egal wie finde ich“ [sic]. Allein der Nachrichtenwert dieser Meldung ist meines Erachtens schon fragwürdig. Es handelt sich um eine Einzelfallentscheidung. Die Frau hat den Mann nicht angezeigt oder seine Entlassung gefordert. Es handelt sich um Arbeits- und nicht um Strafrecht. Insgesamt scheint der Täter extreme Reue zu zeigen. Klar muss aber auch sein: Natürlich geht so ein Verhalten nicht in Ordnung! Und genau das wusste der Kläger ja auch. Ich frage mich sogar wie man überhaupt auf die Idee kommen kann einer Frau beim ersten Kennenlernen irgendwo hinzufassen. Geht für mich persönlich überhaupt nicht in Ordnung und widerstrebt mir total. Daher würde ich auch jede Frau verstehen, die daraufhin verlangt, dass der Mitarbeiter gekündigt wird. Genau das ist hier nicht geschehen. Dennoch kann natürlich jeder diesen Sachverhalt für sich bewerten und auch dazu seine Meinung kundtun. Aber doch bitte nicht so völlig unreflektiert und wenig zielführend. Einfach mal die paar Zeilen im Artikel lesen und vielleicht, nur vielleicht, hat man das eine ganz andere Meinung zum Sachverhalt. Wäre doch möglich?

Bei der TA haben die Kommentare dann sogar zu diesem Machwerk an journalistischer Kunst geführt: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Das-Busenarbeitsgericht-macht-die-Damen-zum-Freiwild-Heftige-Diskussionen-zu-1028701691#.VNpAIm06H8w.facebook

Man beachte das „Symbolbild“ und versuche dann noch der TA keinen Sexismus vorzuwerfen. Moralkeule + Titten = Klicks. Schade, dass wir Menschen so einfach ticken.

Zum Schluss gibt es hier mal ein paar einfache Schlagwörter, die in der Überschrift platziert völlig ausreichen um sinnlose, oft menschenverachtende Kommentare zu provozieren: Asyl, Islam/Muslim, Pegida, Hund, Kinder, Mindestlohn, Ukraine, Putin.

Wie auch immer, bis die Tage

Zero

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Die verlogene Debatte um programmatische Pädophilie bei den Grünen

Schalom!

Vorab: Ich weiß, ich hatte gesagt, dass ich im Urlaub bin und erstmal Funkstille herrscht. Aber angesichts der derzeitigen Diskussion juckt es mir schon sehr in den Fingern.

Es ist meines Erachtens beschämend auf welchem Niveau und zu welchem Zeitpunkt die derzeitige Debatte um die Partei Die Grünen und Pädophile in deren Mitte geführt wird.

Das einzige Ziel was damit verfolgt wird, ist den grünen Wahlkampf massiv zu schädigen und von den eigentlich brennenden Themen wie Syrien, NSA, Klüngeleien und Vetternwirtschaft abzulenken. Wie sehr sich die Presse auf dieses Thema in den letzten paar Tagen gestürzt hat, ist nur erschreckend. Besonders weil die Diskussion ja nicht durch besondere Neuigkeiten entbrannt wurde.

Das Parteiprogramm zur damaligen Zeit war bekannt (das haben Parteiprogramme so an sich). Weitere liberale Parteien hatten ähnliche Forderungen in ihrem damaligen Programm. Die Partei hat sich bereits in der Vergangenheit (vor ÜBER 20 Jahren) für diese Politik mehrfach entschuldigt und sich losgesagt.

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Die damalige Offenheit gegenüber allen möglichen Strömungen kann man definitiv kritisieren, dass hätte man aber auch schon damals oder etwas später machen können. Stattdessen wartet man bis kurz vor einer Bundestagswahl. Die komplette Geschichte bekommt damit einen sehr faden Beigeschmack.

Unangemessen ist auch die zeitweise in verschiedene Medien auftretende Gleichsetzung von Pädophile und Kindesmissbrauch. Pädophilie ist eine Krankheit, eine sexuelle Abnormität, eine Perversion. Durch was diese hervorgerufen wird, kann (zumindest von mir) nicht festgestellt werden. Dennoch ist nicht jeder Pädophile ein Straftäter, viele, wenn nicht die allermeisten, kontrollieren ihren Drang. Andersherum ist nicht jeder, der ein Kind missbraucht hat, automatisch ein Pädophiler. Oft spielen ganz andere Faktoren (vor allem Macht) eine gewichtige Rolle. Er ist also Straftäter ohne pädophil zu sein.

Dennoch geht offensichtlich eine latente Gefahr von Pädophilie aus. Durch totschweigen kann man diese Gefahr allerdings nicht bannen. Durch einen Diskurs und eine offene Diskussion kann man sie zumindest schmälern. Was wir im Moment erleben, ist jedoch eine reine Schlammschlacht bei der es um Machterhalt und Machtsicherung geht. Zu behaupten Pädophilie sei im Programm der Grünen ist reine Verleumdung und die Verleumder wissen das.

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Ob sie sich dafür schämen, ist eine andere Frage.

Für einen fairen Wahlkampf

Zero*

* Der Autor ist nicht und war nie parteilich organisiert oder hat je Parteien im Wahlkampf oder anderswo unterstützt. Einzig bei Demonstrationen gegen rechts gab es Berührungspunkte mit parteilicher Arbeit. Die Forderungen stammen aus einer Zeit vor seiner Geburt.